Die südkoreanische K-Pop-Kultur ist der lukrativste Export des Landes, hat enorme Strahlkraft in ganz Asien, wenn nicht weltweit. Nun gerät die scheinbar heile Glitzerwelt ins Wanken. Erschüttert wurde sie im Vorjahr durch eine Reihe von Sexskandalen, Vergewaltigungen, mutmaßlichen Selbstmorden. An der Tagesordnung steht Cybermobbing und Cyberbullying, also persönliche Angriffe gegenüber den jungen Stars, es herrscht ein rigoroses Management in der knallharten Branche, Gerüchte über private Tragödien und Missbrauch häufen sich.

Weiters zählt dazu ein in Südkorea weitverbreitetes Phänomen, dass Frauen mit Mini-Kameras heimlich gefilmt und die Videos online verbreitet werden - oftmals auf Pornoseiten. Mit nur knopfgroßen Kameras werden sie in öffentlichen Toiletten, Hotelzimmern, Schulen oder beim Geschlechtsverkehr aufgenommen und die Aufnahmen weiterverbreitet. Das Phänomen führte inzwischen zu massiven Frauen-Protesten. Im vergangenen Jahr wurden landesweit 5500 Menschen wegen dieses Vergehens verurteilt, 97 Prozent von ihnen waren Männer.

Im Folgenden ein Überblick der Tragödien in der K-Pop-Szene:

Dezember: Nach dem Tod zweier K-Pop-Sängerinnen in den vergangenen Wochen in Südkorea wird erneut ein junger bekannter Unterhaltungskünstler tot aufgefunden. Die Leiche des 27-jährigen Schauspielers Cha In Ha wurde am 3. Dezember in seiner Wohnung gefunden, teilte eine Sprecherin der Agentur Fantagio mit. Das Unternehmen rief die Medien auf, keine Gerüchte oder Spekulationen in Verbindung mit Chas Tod zu veröffentlichen. Die Agentur sei wegen des Todes in tiefer Trauer. Cha debütierte 2017 in einem Kurzfilm. Er war auch Mitglied der Schauspiel- und Musikgruppe Surprise U, die von Fantagio gegründet wurde. Bekannt wurde er durch Auftritte in TV-Serien.

Die Todesursache sei zwar noch nicht offiziell bekannt. Der Tod eines weiteren Entertainers habe aber die Besorgnis ausgelöst, dass sich der "Werther-Effekt" einstellen könnte, schrieb die Zeitung "The Korea Times". Der Name stammt aus Goethes Roman "Die Leiden des jungen Werther". Nach seiner Veröffentlichung 1774 kam es zu einer Reihe von Suiziden junger Männer, der Effekt gilt heute als belegt.

November: Die 28-jähgrige K-Pop-Sängerin Goo Ha-ra (auch Hara), die durch ihre Mitgliedschaft bei der Girlband Kara bekannt worden war, wird tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Die Polizei vermutet Suzizid. Goo Hara gab 2008 ihr Debüt bei der auch in anderen asiatischen Ländern außer Südkorea populären Gruppe Kara. Die Band löste sich 2016 auf. Goo Hara arbeitete auch als Solosängerin und trat in Filmen und Fernsehshows auf. Die Sängerin geriet im vergangenen Jahr wegen eines öffentlich gewordenen Streits mit einem früheren Freund in die Negativschlagzeilen. Goo Hara beschuldigte den Freund, sie erpressen zu wollen, indem er gedroht habe, ein Sexvideo mit ihr zu veröffentlichen. Im Mai dieses Jahres hatte sie sich bei ihren Fans entschuldigt, nachdem sie bewusstlos in ihrer Wohnung gefunden worden war. Der Zwischenfall hatte starke Besorgnis bei ihren Fans ausgelöst.

November: Ein Gericht in Seoul verurteilt zwei Stars wegen Gruppenvergewaltigung zu mehrjährigen Haftstrafen. Der Sänger Jung Joon Young wurde am Freitag zu sechs Jahre Haft verurteilt, der Musiker Choi Jong Hoon zu fünf Jahren, wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Die beiden Stars sollen 2016 zwei Frauen vergewaltigt haben. Jung wurde zudem schuldig gesprochen, heimlich Videos vom Geschlechtsverkehr mit Partnerinnen aufgenommen und verbreitet zu haben. Bei der Urteilsverkündung seien Choi und Jung in Tränen ausgebrochen, berichtete Yonhap.

Oktober: Die Sängerin Sulli (mit echtem Namen Choi Jin-ri) nimmt sich das Leben. Sulli hatte sich gegen Cyber-Bullying, also Verleumdung, Blossstellung und Belästigung über elektronische Medien ausgesprochen. Im doch eher konservativen Südkorea gab es im Vorfeld große Aufregung, da im Internet ihre blanken Brüste und Brustwarzen zu sehen waren.

März: Drei männlichen Künstlern, darunter Jung und Popstar Seungri, wurde das Teilen von illegal gefilmten Sexvideos in einer Chatgruppe vorgeworfen. Die beiden Musiker sowie der 29-jährige Choi gaben daraufhin ihren Rücktritt vom Showbusiness bekannt. Jung entschuldigte sich bei "allen seinen Opfern" und seinen Fans. (apa, dpa, reuters, red.)