Nach einem hübschen wie hübsch nostalgischen Auftritt anlässlich des 50. Bandgeburtstages in der Wiener Stadthalle im Jahr 2016 veröffentlichte Roger Daltrey zuletzt das hübsche Oldtimer-Album "As Long As I Have You" und arbeitete an einer "Tommy"-Version mit Orchester, die womöglich auch auf dem nun also erscheinenden ersten Album von The Who seit diesmal 13 Jahren nachstrahlt - neben gediegenen Streicherarrangements quer durch die elf Songs kündet nicht zuletzt "Hero Ground Zero" davon, zu dessen symphonischem Zierrat samt der Querflöte in der Rolle der ersten Geige es wieder politisch wird: "In the end every leader becomes a clown . . ." An wen denken wir jetzt bloß?

Einen Rückblick auf die DNA der Popkultur und des Rock ’n’ Roll bietet übrigens bereits das Albumcover von Peter Blake. Der heute 87-Jährige hat nicht zuletzt das ikonografische "Sgt. Pepper"-Artwork für die Beatles entworfen und trägt Sorge dafür, dass der in Versalien collagierte Albumtitel "WHO" (Universal Music) nicht zuvorderst mit der Weltgesundheitsorganisation assoziiert wird. Entsprechend stellt sich auch ein gewisser Selbstreferenzialismus mit Songtiteln wie "Detour" (The Who entstanden einst aus der Schülerband The Detours, der Song selbst reitet auf einer Art Bo-Diddley-Beat ein) oder der pluckernden Gebrauchselektronik im Stile von "Baba O’Riley" ein.

Alte Begeisterung

Stücke wie der tolle, vor dem Hintergrund der Brandkatastrophe im Grenfell Tower in London für Gerechtigkeit polternde "Street Song" zeugen neben aufrechten Songwriting-Skills aber auch von alter Begeisterung. Die US-Politik um Guantanamo ("Ball And Chain") und eine Annäherung an die eigene Endlichkeit - oder Wiedergeburt? - ("I’ll Be Back", ohne Arnold Schwarzenegger, dafür mit einer Mundharmonika, die Erinnerungen an die "Lindenstraße" weckt) runden die Themenpalette ab.

Bei Punkteabzügen (für die Kitschkeyboards von "Beads On One String" oder den von Townshends Bruder Simon geschriebenen Folkpop "Break The News) hört man ein alles in allem nicht mehr erwartetes, nettes Album. Die Sache mit der ewigen Unvernunft ("I Don’t Wanna Get Wise") geht sowieso klar.