Es ein Weihnachtswunder zu nennen, wäre verspätet. Robbie Williams, der Pop-Entertainer vom Dienst, gefällt sich seit Jahren in der Rolle des geläuterten Lumpis. Nun hat der Engländer allerdings eine neue Bühne dafür gefunden: Auf seinem ersten Weihnachtsalbum inszeniert er den Wandel vom Saulus zum Familienpapa-Paulus noch einmal. Ein Hauch von Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte liegt auf dem gemalten Cover: Mit Zylinder und Mantel angetan, tritt ein viktorianischer Williams in die Winterkälte hinaus; zwei Christbäume lugen aus den Fenstern des Eigenheims, weisen den Flaneur im Vordergrund als Familienmenschen aus. Und doch scheint der durch eine Katharsis gegangen. Das legen auch die Titel der beiden CDs nahe. "Christmas Past" und "Christmas Future" heißen sie; wie die Schreckensvisionen, die Charles Dickens’ engherzigen Mr. Scrooge heimsuchen.

Schoßhunde singen Kinderchor

Freilich, Horrorgeschichten sind auf diesem Doppelalbum nicht zu hören. "The Christmas Present" (Columbia) ist ein Füllhorn des Frohsinns, und es geizt auch nicht mit US-Traditionsgut. Klassiker wie "Let It Snow!", "Winter Wonderland" und "Santa Baby" (kokett im Duett gesungen mit dem deutschen Kaufanreiz Helene Fischer) erschallen wie zu Zeiten von Sinatra selig: in swingender Gangart mit flauschigem Orchestermantel.

Es sind aber vor allem Neuschöpfungen, die Williams’ Gabensack füllen. Weltumarmungs-Hymnen sind darunter, manche davon ist ziemlich feist geraten - wie "Time For Change". Der adrette Beginn, nah an Gary Barlows "Back For Good", kippt in einen Refrain, der ein Kopfkino mit einem wuchtigen Coca-Cola-Truck auslöst. Erheiternd sind allerdings die Schauwerte, die das zugehörige Musikvideo liefert. Nicht nur sehen wir hier einen Phallokraten a. D. beim weihnachtlichen Karottenschnipseln, sanft belehrt von Ehefrau Ayda. Wenn im Lied ein Kinderchor anhebt (ja, auch das muss sein!), öffnen sich im Familienfilm dazu die Schnäuzchen zweier Schoßhunde.

Es darf zwischen all dem Festtagsfett also auch etwas Ironie sein. Sie ist es nicht zuletzt, die dieses Album (neben Kleinod-Originalen wie "Rudolph") genießbar macht. Da erfreut etwa ein Haudegen-Duett mit dem stimmherben Rod Stewart und einer klangadäquaten Fiedel ("Fairytales"), zudem ein Schabernack namens "Happy Birthday, Jesus Christ". Der klingt zwar, als wären "Thank You For Being A Friend" und Peter Cornelius’ "Bevor i geh" in den Mixer geraten, erheitert aber als launige Laudatio: "Healed the lame, forgave the foolish / And on your first birthday you were jewish / happy birthday, Jesus Christ."