Diese Band hält ein großes Signum mit der Botschaft "Das können wir hier in Wien auch" in die Höhe. Masken tragen zum Beispiel. Dun Field Three verhüllen ihre Gesichter mit Vogelmasken, was sie wie Arlecchinos aussehen lässt, also etwas Burleskes, Spielerisches indiziert. So etwas kommt tatsächlich in ihrer Musik vor, aber in erster Linie passt es auch zum Namen. Den hat Bassist Nachtlieb aka Nikolaus Hämmerlein von der "Dun Crow", der Nebelkrähe, abgleitet.

Dun Field Three machen Blues-Rock, wie er gemeinhin als "räudig" beschrieben wird, also vermeintlich ungehobelt, ungeschliffen und geradeheraus, aber nicht ohne Raffinesse und Kunstfertigkeit: Das ist nicht einfach Wir-spielen-was-wir-wollen, sondern weiß um die Gesetze effektvoller musikalischer Dramaturgie. Soweit allerdings bekennt es sich zur "Rock-’n’-Roll-Subkultur", wie Nachtlieb das in einem Interview ausgedrückt hat, dass man eben "keine etepetete Schnickschnack-Kultur" sein will.

In Österreich relativ beispiellos, könnte das möglicherweise im Wiener Dialekt gut funktionieren - aber Sänger/Gitarrist Daucocco alias Andreas Dauböck setzt seine lebenserfahrene Gaunerstimme in einem Englisch in Szene, das sich eines ganz leichten Akzents ebenso wenig geniert wie es am anderen Ende nie in jenen Grenzbereich zur Parodie abgleitet, der zum Beispiel die ganz frühen Element Of Crime bisweilen etwas ärgerlich machte.

Vielmehr macht sich hier oft eine Besessenheit Luft, die an große Prediger des Blues gemahnt. Nick Cave, Mark Lanegan oder Tom Waits werden - teilweise zum Amüsement der drei Akteure - als Einflüsse für diese Musik namhaft gemacht; die inbrünstige vokale Intonation, die fetten Slide-Gitarren und die dramatischen Zuspitzungen lassen aber vor allem an die Blackeyed Susans denken, eine ziemlich originäre australische Psycho-Blues-Unit aus dem Umfeld der Triffids, die interessanterweise trotz äußerst limitierter globaler Breitenwirkung eine gewisse Faszination auf die avancierte österreichische Indie-Szene (vgl. einige Stücke des Black Palms Orchestra) auszuüben scheint.

Dazu kommt aber musikalisches Lokalkolorit mit Affinität zum Dreivierteltakt und Einsprengseln, die eine gewisse Nähe zur musikkabarettistischen Tradition der Wienerstadt vermuten lassen, die sich gleich zum Einstieg in "Lion", aber auch im spielerischen "Zombie" äußert. Auch hinter Videos wie jenem zum schunkeligen, aber im Abgang furiosen "Blood River" scheint ein listiges Augenzwinkern zu stecken. Das unbetitelte Debütalbum der Dun Field Three, heuer im April bei Noise Appeal Records herausgekommen, spielt diese Facetten mit einer Souveränität aus, der man anmerkt, dass hier nichts überstürzt werden musste.

Hybride

Das brachte nichts Abgeklärtes mit sich, sondern nur Konzentration auf neuralgische Punkte: So scheint der dickflüssig-heftige Rocker "Rosie" vor Inbrunst fast zu bersten. "Fade To Gray" dagegen erweist - es ist schwer anders denn als luzide Ironie zu begreifen - dem (fast) gleichnamigen 80er-Jahre-Hit Reverenz. "Sandy Sandy Sandy" kann nicht nur vom Titel her als Fingerzeig in Richtung des phänomenalen Albums "Born Sandy Devotional" von den Triffids gedeutet werden - vielmehr klingt in Daucoccos Stimme hier tatsächlich stark der gleichermaßen autoritative wie melodiöse Gesang des unvergessenen David McComb durch.

In den Texten reflektiert sich genau jenes eigentümliche Hybrid aus Ernst und Schelmenhaftigkeit, das auch die Musik und das Auftreten der Band charakterisiert. "Either you’re with us or with the terrorists" wird in "Lion" Ex-US-Präsident George W. Bush zitiert. Am Ende bereitet man sich - ohne dass darin auch nur eine Spur von Sarkasmus erkennbar wäre - auf die Wiederkunft des Erlösers vor: "I wanna be ready when Jesus comes."

Die wahre Macht der Dun Field Three soll indes, so hört man, auf den Bühnenbrettern liegen. Am kommenden Sonntag kann man sich davon im Wiener Chelsea überzeugen.