Michael Kiwanuka: Kiwanuka (GB)

Der britische Sänger, Songwriter, Gitarrist und Freund des Vintage-Sounds verschärft auf seinem dritten Album die Gangart. Vom introspektiv-temperierten, großen Altvorderen wie Bill Withers, Bobby Womack oder dem frühen Marvin Gaye verpflichteten, von leichten Folk-Einflüssen interpunktierten Soul der beiden Vorgänger steuert Michael Kiwanuka dazu bisweilen in psychedelische Fahrwasser. Songs wie "Rolling" mit beschwörender Melodie und dröhnender Gitarre sind schier überwältigend.

Mono: Nowhere Now Here (J)

Zur Feier ihres 20-jährigen Bestehens macht die Band aus Tokio das Atmen hörbar: "Breathe" dürfte das erste Stück sein, das Mono je mit Gesang eingespielt haben. Songs wie "Parting" oder "Funeral" beschreiben schmerzhafte Trennungen, wobei sich die Band auf ihre Tugenden besinnt: sei es die Elegie, Inspiration durch Filmmusiken oder Metal, um diese Elemente zu einem tollen Kosmos aus kontemplativer Melancholie und einnehmender Traurigkeit zu formen.

Angel Olsen: All Mirrors (US)

Die US-Songwriterin präsentiert sich auf ihrem vierten Album in Höchstform - und setzt auf geballte Wucht: "What about the heart? Trouble from the start." Es geht also um die schlimmstmöglichen Herzprobleme im nicht kardiologischen Sinn - und laut Angel Olsen auch darum, sich seine eigenen dunklen Seiten einzugestehen. Das Titelstück ist purer Pop, am Ende wiederum meint man, sich knapp vor der Sperrstunde in einer Country-Kaschemme zu befinden, bevor in einem üppig ausstaffierten Ballroom das Licht angeht. Toll!

Sleater-Kinney: The Center Won’t Hold (US)

Unruhe überall: Produzentin St. Vincent hat den sowieso latent nervösen Sound der US-Frauenband Sleater-Kinney mit einer neurotischen Anspannung infiltriert, die neuen Stücken wie "Reach Out", "Ruins" oder "The Dog/The Body" gut ansteht. Ausgeglichen klingt anders. Einmal noch hört man ein Album der Formation mit Schlagzeugerin Janet Weiss, die ihren Ausstieg im Juli dieses Jahres bekannt gab.

Wilco: Ode To Joy (US)

Das elfte Werk der Band aus Chicago bietet elf Wilco-typische Interpretationen von Folk-, Countryrock und Americana, dieses Mal im Zeichen der Reduktion und dezenter Experimentierfreude. Den Songs ist jede Art von Posertum fremd, und doch klingt jeder von ihnen zeitgemäß. In Zeiten permanenter Überreiztheit setzen Wilco auf Reflexion und Kontemplation, Minimalismus und (Klang-)Schönheit. Elegant unaufgeregt und sanft nachdenklich.