Thom Yorke: Anima (GB)

Willkommen in der Welt von Thom Yorke - willkommen in der Welt des Leidens und des Leidens an der Welt! Der Radiohead-Mann überwindet seine Schreibblockade diesmal mit C. G. Jung und einem Blick in den Abgrund. Auf seinem tollen dritten Soloalbum setzt es ruckelnde Beats zu verwaschenen Klangschlieren. Im Hintergrund spuken die Geister, weiter vorne gibt Thom Yorke den Solisten aus dem Beschwerdechor. Hallo Beklemmung! Hallo Unterbewusstsein!

Pop/Österreich

Bilderbuch: Vernissage My Heart

"Ein Leben ohne Grenzen / Eine freedom zum Verschenken." Bilderbuch um Sänger Maurice Ernst haben heuer nicht nur ihr Doppelkonzert in Schönbrunn erfolgreich hinter sich gebracht und mit einer PR-Aktion um einen fingierten EU-Pass einen viralen Netzhit gelandet. Auf ihrem zweiten innerhalb von nur drei Monaten veröffentlichten Album ("Vernissage My Heart" folgte auf "Mea Culpa" von Dezember 2018) erfreute das Quartett seine Zielgruppe im bewährten Betriebsmodus auch wieder mit Hüftgroove: "Du hast es / Ich will es / Ich brauch es." Wuff!

Dives: Teenage Years Are Over

Die Wiener All-female-Band spielt auf ihrem Debütalbum geradlinigen, zum Teil durchaus lärmenden Indierock der Do-it-yourself-Schule. Vom umtriebigen musikalischen Indie-Tausendsassa Wolfgang Möstl produziert, bedienen sich Dives für ihren abwechslungsreichen Stilmix mit Vorliebe bei Garagenpunk und Surfpop und ergänzen die Ergebnisse mit überzeugender Riot-Grrrls-Ästhetik. Rollenklischees werden umschifft, das weibliche Selbstbewusstsein aber wird mit Stolz und Haltung zur Schau gestellt. Rock-’n’-Roll-Feminismus, wie er sein soll.

Voodoo Jürgens: ’S klane Glücksspiel

"Des gibt’s jo ned! Ollas dahin!!" Das klassische Glücksspiel und seine Begleiterscheinungen wie etwa die Auszahlungsprokrastination oder auch der Finanzierungsengpass werden auf dem neuen Album zwar im mit Kirtagskapellen-Tschingderassabum auffahrenden Titelsong oder mit dem hörspielhaft angelegten Schelmenstück "Kumma ned" (es geht darin um Bringschuld) thematisiert. Für David Öllerer alias Voodoo Jürgens, den Wiener Kunst-Strizzi aus Tulln, bedeutet "’S klane Glücksspiel" aber auf jeden Fall gute Karten. Selbst der zunehmende Austausch des guten alten Beisls durch boomende Bobohütten und das Inkrafttreten des absoluten Rauchverbots in der Gastronomie konnten an seinem Erfolgszug im Jahr 2019 nichts ändern. Gute Sache! Musik ist Trumpf.