Die Zeiten des kanadischen Popwunders, das vor allem in den Nuller-Jahren für internationale Furore sorgte - wofür Acts und Bands wie Arcade Fire, Broken Social Scene, Stars, Dears, Hidden Cameras, New Pornographers, Caribou oder Great Lake Swimmers sorgten -, sind zwar vorbei, aber noch immer dringen bemerkenswerte Klänge aus dem nordamerikanischen Land. Nicht mehr so oft in dieser Dichte, Intensität und Exklusivität, wie das etwa um 2004 herum der Fall war (da erschien u.a. mit "Funeral" das exzeptionelle Debütalbum von Arcade Fire, ein Begräbnis als Geburt!), aber doch in schöner, abwechslungsreicher Regelmäßigkeit, wie ein Rückblick auf Veröffentlichungen aus dem frisch abgelaufenen Jahr zeigt.

Da erschien etwa im Oktober das sechste Studioalbum des in Montreal lebenden Sängers und Pianisten Patrick Watson. Dass "Wave" nicht auf Anhieb einschlug und sich stattdessen zu einem Slow Burner entwickelte, liegt vor allem an der Zartheit und Fragilität der Songs, was mehreren Schicksalsschlägen geschuldet ist, die Watson innerhalb kurzer Zeit ereilten. So starb seine Mutter während der Aufnahmen, seine Partnerin trennte sich von ihm - und zu guter, nein, schlechter Letzt verließ auch noch der langjährige Drummer seine Band. Naturgemäß hinterlassen Ereignisse diesen Kalibers Spuren - und so ist dieses Album nach Auskunft von Watson der Versuch, einen lyrischen und musikalischen Ausdruck für das Gefühl zu finden, von einer Welle erfasst zu werden, die einem alles wegwischt, was man im Leben hat - ohne dabei zu ertrinken. Vor allem im Mittelteil des Albums, bei Songs wie "Melody Noir", "Broken" oder "Turn Out The Lights" (die ihre Stimmung schon im Titel verraten), gelingt das auf buchstäblich erhebende Weise. Man säuft nicht ab, sondern treibt dank schwebender Musikalität nach oben. Aber nicht zu weit.

Seit Klein Patrick bei Auftritten als Begräbnissänger für Gänsehaut und Rührung sorgte, weiß er um das Überwältigungspotential seiner hohen, charismatischen Stimme - und diese daher maßvoll einzusetzen. Die Zusammenarbeit mit Leonard Cohen bei einem von dessen letzten Songs zu Lebenszeiten mag auch zu einem einfacheren, trockeneren und zugleich poetischeren Duktus beigetragen haben, der die durchgängige Melancholie von "Waves" so erträglich wie zugänglich macht, ohne ihr die angemessene existenzielle Schwere zu nehmen.