Zuletzt ging die britische Band Coldplay mit gutem Beispiel voran. Ihre Ankündigung, auf eine Tournee zu verzichten, solange es nicht möglich ist, Konzerte CO2-neutral abzuhalten, erfreute Klimaschützer und Coldplay-Skeptiker gleichermaßen.

Die Verbannung von Einwegplastik auf Konzerten von Billie Eilish mag ein guter, wenn auch kleinerer Schritt in eine ähnliche Richtung sein, während die aus Manchester stammende Band The 1975 in Aussicht stellte, für jedes verkaufte Ticket ihrer UK-Tour einen Baum pflanzen zu lassen. Ihren eigenen ökologischen Fußabdruck wiederum ließen die Trip-Hop-Vorreiter Massive Attack vermessen, die gemeinsam mit der Manchester University aktuell überhaupt ein Konzept für nachhaltige Tourneegestaltung erarbeiten.

Guns N’ Roses für 1211 Euro

Warum das Live-Geschäft im Jahr 2020 trotzdem wieder brummen wird, hat aber auch einen Grund. Er lässt sich im Wesentlichen im alten turbokapitalistischen Stehsatz "Money makes the world go round" zusammenfassen. Wenn sich Konzerte wie jenes von Céline Dion (15.6., Stadthalle) auch trotz regulärer Ticketpreise von bis zu 449 Euro ausverkaufen lassen, geht es vielleicht nicht uns allen, aber zumindest der Wirtschaft gut.

Tapfer sein: Céline Dion stellt ihr aktuelles Album "Courage" am 15. Juni in der Wiener Stadthalle vor. - © Andrew Whelan
Tapfer sein: Céline Dion stellt ihr aktuelles Album "Courage" am 15. Juni in der Wiener Stadthalle vor. - © Andrew Whelan

Der eigenen Pensionsvorsorge zuarbeitende Acts, denen Nachhaltigkeit nie das größte Anliegen war, wie Guns N’ Roses (hey, das ist der Rock ’n’ Roll!), schrauben ohnehin wieder am Konjunkturmotor. Für das Konzert der seit 2016 mit Slash und Duff McKagan wiedervereinigten Mannschaft um Axl Rose (9.6., Ernst-Happel-Stadion) gehen die Stehplatztickets um 136 Euro über die Budl. Besonders wirtschaftsfördernd fällt übrigens das "Ultimate VIP Package" aus, das für schlappe 1211 Euro (Sie haben sich nicht verlesen - wir haben uns nicht vertippt) etwa ein Foto mit den Instrumenten der Band inkludiert (laut Kleingedrucktem aber nicht mit der Band selbst).

Als Haupt-Trend in der Wiener Stadthalle fällt neben einer Lawine an Musical-Terminen im ersten Quartal - um etwa "Die Schöne und das Biest" (25.1.), "Flashdance" (8. und 11.2.) oder "Falco - das Musical" (12.2.) - nicht nur eine Reihe an Schlager-Events auf, mit denen sich spätestens seit Helene Fischer wieder sehr gut verdienen lässt. Stichwort: Andrea Berg (15.2.), Howard Carpendale (8.4.), Semino Rossi (7.10.) oder Roland Kaiser (8.11.).

Heimspiel und Kirchgang

Auch werden mit Tribute-Shows nicht mehr aktiver oder - besonders CO2-schonend - bereits toter Acts nicht zuletzt nostalgische Bedürfnisse befriedigt: "Abbamania - The Show" (31.5.), "The Simon & Garfunkel Story" (25.10.) und "An Evening With Whitney Houston" (22.3.) mit Whitney Houston als Hologramm sind zu erwähnen. Unter dem Titel "Forever Amy" (26.3.) erinnert außerdem die Ex-Band von Amy Winehouse an ihre verstorbene Chefin.