Keine Frage, diese drei Herren sind Jazzer. Dennoch hat es Gründe, warum The Bad Plus seit jeher eher als Band denn als Trio galten. Seit dem Jahr 2000 spielte die US-Kombo meist an den Erwartungen vorbei, die sich an das Miteinander von Klavier, Kontrabass und Schlagzeug richten, und wilderte lieber in anderen Genres. Dabei gelang es kaum einer anderen Gruppe, Leihstücke aus Pop, Rock und Klassik so geistreich mit einem wagemutigen Jazzvokabular zu verzwirbeln (etwa auf "For All I Care", 2009).

Es ist jedoch eine Zäsur zu vermelden: Seit 2018 werkt nicht mehr Ethan Iverson am Klavier, sondern Orrin Evans. Das zweite Album in seinem Beisein wirkt bruchlos, im guten wie schlechten Sinn: Statt eines stilistischen Zickzackkurses setzt es ausschließlich Eigenschöpfungen mit oft ähnlichem Duktus. Treibende Beats von Dave King befeuern melancholische Themen mit kühnen Harmoniefolgen. Dabei dünnt die Kreativität hie und da aus. Das Esbjörn-Svenssonnige "Avail" und das witzige Kleinod "Thrift Store Jewelry" halten aber das alte Band-Niveau und verquicken griffige Grooves mit abstrakten Solos.