"Wir hören auf." Am 23. November 2007 reichten Kinderzimmer Productions in einem offenen Brief ihre Demission ein und legten ihre Gründe dar: Da war zum einen die wirtschaftliche Seite durch die Umwälzungen in der Musikindustrie mit den damit verbundenen Einnahmeverlusten für Musiker, die es ihnen unmöglich machten, auf ihrem Niveau weiterzuproduzieren.

Zum anderen habe sich Hip-Hop in Deutschland in eine Richtung entwickelt, die sie nicht mehr mittragen könnten. "Nein, wir wissen nicht, ob wir je wieder eine Platte aufnehmen werden", ließen MC Textor (alias Henrik von Holtum) und DJ Quasi Modo (Sascha Klammt) aus Ulm die Zukunft offen.

Es folgten vorderhand nur sehr sporadische Reunionsauftritte - einer davon 2010 zusammen mit dem Radio-Symphonieorchester Wien im Radiokulturhaus - und 2012 Textors schlechtweg sensationelles Solo-Album "Schwarz Gold Blau", das zeigte, wie gut der Rapper Chansons mit Hänger-Blues-Feeling kann und wie grandios Textor auch mit den textlichen Limitationen des Melodie-Formats durch Reime und Versmaß umzugehen weiß.

Nun melden sich die eher unbedankten Pioniere des intelligenten deutschsprachigen Hip-Hop unter altem Namen und mit vereinten Kräften wieder zum Dienst zurück und bringen ein neues - ihr insgesamt siebentes - Album heraus. Naturgemäß keinerlei anderen Referenzen verpflichtet als der eigenen, keinem Zeitgeist, bestimmten Technologien oder Macho-Gimmicks folgenden Geschichte, klingen Kinderzimmer Productions auf "Todesverachtung To Go" frisch wie Newcomer, die ihrem Debüt Entwicklungszeit gewährt haben: Schlingernde, wiewohl kräftige Beats dominieren den Sound, der erfreulicherweise nur sehr sparsam mit leichten Streichermotiven, elektronischen Schnipseln oder Bläser-Samples interpunktiert ist.

Textors assoziative Wortketten ziehen einen dichten Kokon um die möglichen "Aussagen" der Inhalte. Und darüber zirkulieren Killer-Zeilen wie "Lass die Reinigungskraft entscheiden, ob das Kunst ist oder weg kann" oder "Sexhandarbeiter klingt freundlicher als Wichser".