Ein James-Bond-Song - das ist für jeden Künstler, wie berühmt er auch bereits sein mag, eine Riesensache. Wie Catherine Haworth von der britischen Universität Huddersfield erklärt, birgt eine solche Berufung "die Chance, Teil eines kulturellen Phänomens zu werden - ein Teil der am längsten laufenden Film-Marke der Geschichte und eines der unverwechselbarsten Literatur- und Filmcharaktere".

Im besten Fall winken ein Oscar (zuletzt sowohl für Adeles fabelhaftes "Skyfall"-Lied von 2012 als auch für Sam Smiths "The Writing's On The Wall") und mit ziemlicher Sicherheit hohe Chartsplatzierungen: So belegte "A View To A Kill" von Duran Duran 1985 Platz 1 in den USA, Smiths Song schaffte 2015 Rang 1 in Großbritannien. Auch Madonnas Karriere bekam mit "Die Another Day" nochmal einen Schub.

Zugleich ist das 007-Eröffnungslied für jeden Künstler eine Herausforderung - mit biederen Kompositionen kann man sich da schnell blamieren. Einprägsam, nicht allzu treibend, eher orchestral, bläserstark, bombastisch sollte der Song sein, um gegen das Action-Feuerwerk und die leichtbekleideten Frauen des oft bizarren Vorspanns anzukommen. Das Stück darf auch gern Zitate klassischer James-Bond-Melodien enthalten, wie es Adele und ihrem Produzenten Paul Epworth so kongenial gelang.

Nur wenige schaffen es, selbst im möglichst massentauglichen Bond-Song einen kraftvollen eigenen Sound zu bewahren - zuletzt Jack White mit der US-Soulsängerin Alicia Keys in "Another Way To Die". Ein rein künstlerisch ähnlich starkes Lied wurde bei der Auswahl zum bisher letzten Bond-Film als "zu düster" aussortiert: "Spectre" von der seit 25 Jahren weltweit gefeierten britischen Artrock-Band Radiohead. Stattdessen bekam Sam Smith den Zuschlag - mit einem Song, der teils vernichtende Kritiken erhielt.

Man darf also gespannt sein, was die bisher schrill und unangepasst daherkommende Billie Eilish aus ihrer Bond-Chance macht. Der Druck dürfte auch für diese hochtalentierte, selbstbewusste Sängerin groß sein nach dem Riesenerfolg bei Fans und Kritikern mit der Hitsingle "Bad Guy" und dem Nummer-eins-Album "When We All Fall Asleep, Where Do We Go?". Dass sie (allerdings eher reduzierte) Jazzpop-Balladen singen kann, hat sie mit "Listen Before I Go" und "I Love You" schon bewiesen.

Über den neuen Bond-Titelsong weiß man bisher so gut wie nichts. Billie Eilish, die sechs Nominierungen für die Grammys (26. Jänner) erhalten hat, schrieb das Stück wieder zusammen mit ihrem Bruder Finneas O'Connell. Und sie ist sich der Besonderheit, in so jungen Jahren für James Bond zu singen, sehr bewusst: "Es fühlt sich völlig verrückt an, ein Teil dieser Sache zu sein", dies sei "eine riesige Ehre", schrieb die weiterhin bei den Eltern lebende Künstlerin unmittelbar nach der Bekanntgabe des Coups. "Ich stehe noch unter Schock."(apa/dpa)