Niemand enthemmt die Zugriegel so charmant und traktiert die Manuale konsequenter gut gelaunt als diese charmante Jazzlady. Barbara Dennerlein garantiert mit ihrer Mischung aus bluesgetränkten Balladen und feurigen Up-Tempo-Nummern höchste Qualität. Zuweilen wechselt die 55-Jährige auf die Kirchenorgel. Als erfolgreichster Jazz-Export sind der preisgekrönten Münchnerin die großen internationalen Festivalbühnen ebenso vertraut wie die Klubs: das "Blue Note" und das "Sweet Basil" in New York. Seit Beginn ihrer Karriere komponiert sie. In ihrem Studio bei München sprach die "Wiener Zeitung" mit der Vollblutmusikerin.

"Wiener Zeitung": Frau Dennerlein, wie haben Sie sich anfangs als Frau in der Männer-Welt des Jazz gefühlt?

Barbara Dennerlein: Es stimmt, dass ich in meiner Jugend oft sehr auf mich allein gestellt war. Es ist schon hart, wenn Sie als junges Mädel mit ihrem mehrere hundert Kilo schweren Instrument nach dem Konzert auf der Bühne zurückbleiben und ihnen niemand beim Abbauen hilft. Aber es hat mich auch gestärkt und selbstbewusst gemacht. Außerdem war ich ja immer die Bandleaderin und hab da von den älteren Musikern schon ziemlich harsche Ansagen bekommen. Einer wollte mir mal weismachen, dass meine Komposition Unfug sei, weil ein Musiker nach einem Solo nicht wieder einsteigt. Als er damit nicht durchkam, hat er mitten unter den Proben wutentbrannt hingeschmissen.

Sie zählen auf der legendären Hammond B3 zu den besten Jazz-Musikerinnen der Welt. Was lieben Sie an Ihrem Instrument?

Es ist dieser besondere Sound, den ich mit meinem Instrument über die Jahrzehnte weiterentwickelt habe. Aber ich muss auch sagen: Ein Solokonzert fordert mich. Ich muss eine gute Kondition haben, weil das Spielen mit Händen und Füßen sehr viel Kraft kostet. Ich hänge manchmal wirklich schräg in der Luft. Ich vergleiche meine Spieltechnik gerne mit dem Tanz, wo Sie nicht über jede Bewegung nachdenken. Ich habe, um die Pedale mit den Füssen gut bedienen zu können spezielle Schuhe, Jazz-Dance-Schuhe.

Die B3 Hammond ist ein Monstrum. Das sperrige, charakterstarke Tasteninstrument mit 200 Kilogramm zu schleppen, ist nicht einfach.

Ja, oft genug hab ich in meiner Anfangszeit gehört: "Ja, Mädel, was machst du mit dem Trum. Warum spielst du nicht einfach Klavier."

Wie kommt eigentlich ein junges Mädchen in den Siebziger Jahren auf diese mächtige Hammond?

Das war Zufall. Als ich elf war, meinte mein Opa, ein Kind muss ein Instrument lernen. Und mein Vater, der auf dem Konservatorium Piano studierte, hatte schon Angst, der Großvater kauft mir jetzt eine Blockflöte und er muss sich mein Geflöte am Heiligen Abend anhören. Aber dann lag eine kleine elektronische Orgel unterm Weihnachtsbaum. Und ich war total begeistert. Ich habe gleich nach Gehör zweistimmig Weihnachtslieder gespielt und mein Vater hat sie damals aufgenommen. Ich hatte danach einen Lehrer, Paul Greisel, der eine Hammond-Orgel hatte.