Und woher stammt Ihre Begeisterung für Jazz?

Mein Vater war ein absoluter Jazzfan. Er ist deshalb damals auch vom Konservatorium geflogen, weil er unbedingt Jazz und Boogie spielen wollte. Und außerdem liebte er die Hammondorgel. Er besaß Platten von Shirley Scott, Ingfried Hoffmann, einem der führenden Jazzorganisten Europas, Gründungsmitglied des legendären Klaus-Doldinger-Quartetts, und natürlich von Jimmy Smith. Insgeheim hat er sich auch gedacht, wenn mir mein Weihnachtsgeschenk nicht gefällt, spielt er darauf. Für mich ist Jazz einfach die ehrlichste Musik.

Sie haben auch mit Friedrich Gulda, dem Enfant terrible der Klassik-Szene und Grenzgänger zum Jazz, gespielt. Wie kam es dazu?

Er besuchte eines meiner Konzerte im Wiener "Jazzland" und sprach mich in der Pause an. Mit ihm, der es geschafft hat, über alle Stil- und Genregrenzen eine Verbindung von Klassik und Jazz zu realisieren, habe ich in den verschiedensten Besetzungen vom Duo bis zum Symphonieorchester wie den Münchner Philharmonikern und Wiener Symphonikern gespielt. Ich habe ihn dafür bewundert, dass er den Mut hatte, Jazz in klassische Konzertsäle zu bringen. Und natürlich für seine musikalische Genialität. Er machte nie Kompromisse mit seiner Musik. Besonders erinnere ich mich an ein Konzert mit ihm und Joe Zawinul, dem Zawinul-Syndikat. Dass er ausgerechnet an Mozarts Geburtstag starb, ist wie Magie. Denn er hat es sich wirklich so gewünscht. Eines meiner bevorzugten Alben ist die Doppel-CD "Mozart No End", eine Live-Einspielung unserer Konzerte in Wien und München.

Sie sind die erste Musikerin, die auch Jazz auf einer Kirchenorgel spielt. Gab es dazu kritische Stimmen?

Selbst von der Klassikseite höre ich nur Positives. Die bewundern, wie man diese Rhythmik aus der Orgel rausholen kann und wie dieses konstante Basspedalspiel funktioniert. Ich habe von Anfang an spezielle Stücke für meine Kirchenkonzerte geschrieben, die auf meiner CD "Spiritual Movement No. 1" und "Spiritual Movement No. 2" sind.

Sie haben Ihr eigenes Label, produzieren selbst, managen sich selbst. Ist das nicht anstrengend?

Das hat sich so entwickelt. Das Label habe ich schon 1985 gegründet, um meine erste Platte aufzunehmen. Ich habe es immer behalten, auch als ich bei Enya und Verve war, weil mir da niemand reinredet. Als ich mein Abitur gemacht habe, bin ich gleich auf Tour gegangen und habe damals schon alles selbst organisiert. Später hatte ich auch Agenturen. Doch da ist immer wieder was schiefgelaufen. Eine hat sogar vergessen, mir einen Auftritt bei einem Jazzfest weiterzugeben. Sie haben heimlich die Konventionalstrafe dafür gezahlt. Ich erfuhr erst später davon, als mich Fans daraufhin ansprachen. Ich konnte das nicht mehr ausbügeln. Der Veranstalter hat nie mehr mit mir geredet.

Was hilft Ihnen zu entspannen?

Ich liebe die Natur. Lange Spaziergänge mit meiner kleinen Hündin Emilia, die unheimlich verspielt ist. Sie begleitet mich auf meinen Reisen. US-Tourneen sind inzwischen nervig, weil das Prozedere für die Einreise immer entwürdigender wird und ein Amerika unter Trump weniger Spaß macht.