Auf Vancouver Island gibt es Pumas, Schneeziegen, Bären - und Wölfe. Dan Boeckner, Sänger und Gitarrist von Wolf Parade, ist hier aufgewachsen, Spencer Krug (Keyboard und Gesang) und Arlen Thompson (Drums) leben dort. Trotz dünner Besiedelung wird die Naturidylle langsam von Bauprojekten verdrängt: "Farewell to forest green / No more oasis in the anthopocene", reflektiert Boeckner auf "Thin Mind", dem neuen Album seiner Band die schleichende Veränderung.

War es beim Vorgängeralbum, "Cry Cry Cry" von 2017, noch die weltpolitische Lage, die die Themen bestimmte, wird nunmehr neben regionalen Aspekten nicht mit gesellschaftlicher Grundkritik gespart. "They said it’s the good life (...) / These are the days of heaven", und mit Schopenhauer’schem Gestus wird ergänzt: "But nobody knows what they want" ("Under Glass"). Das Versprechen eines guten Lebens wird in Zeiten des Konsums zu einem gehetzten Auf-der-Stelle-Treten.

Auf jedem ihrer Alben haben Wolf Parade verlässlich mindestens einen Song bei der Ewigkeit deponiert, sei es nun "Fancy Claps" ("Apologies To The Queen Mary"), "Fine Young Cannibals" ("At Mount Zoomer"), "What Did My Lover Say?" ("Expo 86") oder "Artificial Life" ("Cry Cry Cry"). "Julia Take Your Man Home" könnte sich in diese Reihe einordnen, ein Song, der die triste Einsamkeit von Männern beschreibt, die allzu gern narkotischen Substanzen zusprechen und gleichzeitig versichern, wie sehr sie ihre Frauen lieben, die zu Hause auf sie warten.

In "Against The Day", einer Anspielung auf "den Tag des Gerichts und der Verdammnis der gottlosen Menschen" (wie es im Neuen Testament heißt), betrachten zwei Vampire seufzend das Treiben der Menschen. Als Untote fühlen sie sich gegenüber jeder menschlichen Kultur fremd, der schon die Zeichen des Verfalls anhaften.

Die Kanadier haben - stets auf der Suche nach einer besseren Welt - ein wenig Ordnung in ihr fröhlich chaotisches Spielzimmer gebracht und protestieren mit ihrer Musik bewährt gegen Weltuntergangsszenarien. Gleichwohl behält die Vergänglichkeit die Oberhand: "All our days will wash away like tears in rain".