Schon der LP-Titel suggeriert Besonderes. Und fürwahr, die Inhalte lassen nichts zu wünschen übrig. Vor allem nicht, was Drastik betrifft: "I ride the mood / Baby little tween / Riding on your dick / The only vice I’ve left", lauten die ersten Zeilen von Okay Kayas zweitem Album, "Watch This Liquid Pour Itself".

Nur einen Augenblick später sorgt sich die Protagonistin: "What if the pills I take will stop me getting wet?" Im Folgenden geht es um die Psychiatrie, Depressionen, Drogen und Entzugsanstalten, Apathie und Resignation, oder - um wieder zum Thema zu kommen - um "asexuelles Wohlfühlen": "I know sex with me is mediocre / But I can give you asexual wellbeing."

Kaya Wilkins, wie die 30-jährige, in New Jersey geborene und in Norwegen aufgewachsene Künstlerin bürgerlich heißt, ist vom gelernten Beruf Model, auch als Schauspielerin hat sie (im norwegischen Film "Thelma von 2017) bereits reüssiert. Sie ist es also gewohnt, etwas darzustellen. Das hilft vielleicht dem Reflex ab, ihre einigermaßen extremen Inhalte als pure persönliche Bekenntnisse zu verstehen. Es sind Beschreibungen von Menschen in exponierten Situationen. Für eine international ausgerichtete Künstlerin gestattet sich Wilkins dafür erstaunlich viel sprachliches Lokalkolorit: Ein Song etwa ist komplett auf Norwegisch - was vielleicht auch damit zu tun hat, dass er von den Folgen der Regelblutung auf einem Pyjama handelt -, in "Ascend And Try Again" transportiert Wilkins eine Passage, die empfiehlt, auf keinen Fall den Atem anzuhalten, in ihrer Muttersprache. Ein Statement regionalen Selbstbewusstseins (wiewohl Wilkins in "Givenupitis" kein schmeichelhaftes Bild von Skandinavien zeichnet).

Im Vergleich zu den Texten wirkt die Musik hingegen vorsichtig, fast behutsam und so, als habe man sich um Understatement bemüht. In "Mother Nature’s Bitch" kommt ein Hauch von Extravaganz auf, ansonsten mäandert Wilkins zwischen Folk, Indie-Pop, ein bisschen konzertantem Pathos und Elektronik mit viel Retro-Chic, um ihre zwischen nordischer Elfe und Lana del Rey schwingende Stimme erzählen und - je nach Stimmungslage - betören oder befremden zu lassen.