Der Titel des fünften Albums des Quintetts aus Minneapolis, "When We Stay Alive", ist buchstäblich (Überlebens-)Programm. Denn Channy Leaneagh, seit 2011 Sängerin von Poliça, fiel 2018 beim Schneeschaufeln vom Dach und brach sich einen Rückenwirbel. Zwar nicht gelähmt, aber doch monatelang massiv bewegungseingeschränkt, war nicht klar, ob es mit ihrer Karriere überhaupt weitergehen kann.

Es konnte. Davon zeugt das Album - und Leaneagh reflektiert viel von den Gedanken und Gefühlen einer Stillgelegten und Wiederauferstandenen. Musikalisch kommt das aber nur sehr gedämpft herüber. Leaneaghs unverkennbare Stimme wird durch allerlei Autotune-, Hall- und sonstige Verfremdungen gejagt, und der um sie herumgeisternde klaustrophische Synthiesound lässt ihr wenig Luft zum Atmen. Und wa-rum die Band, die live mit zwei Schlagzeugern ausrückt, hier hauptsächlich auf Drumcomputer setzt, verstehe, wer will. Mit "Steady", "Forget Me Now" und "Sea Without Blue" brechen aber immerhin drei Songs erfrischend aus dem dumpfen Einerlei aus. So klingt Zukunft.