Die Geschichte des Pop kennt den Bruderzwist in Bands ziemlich gut. Den gab es bei Oasis mit den Gallaghers, bei den Kinks mit Ray und Dave Davies und nicht zuletzt bei Creedence Clearwater Revival mit John und Tom Fogarty.

Natürlich hatten wir so etwas auch schon in Österreich: Bis 2015 werkten Sänger und Texter Thomas Jarmer und sein Bruder Christoph an der Gitarre gemeinschaftlich bei der burgenländischen Indie-Gottheit Garish. Dann gaben beide Seiten die Trennung bekannt. Die Gründe, soweit sie durchsickerten und die Ursachen akkurat beschreiben, hatten hauptsächlich damit zu tun, dass Christoph Jarmer den Fokus seines Wirkens immer stärker auf sein englischsprachiges Projekt Esteban’s gerichtet haben soll. Interessanterweise aber ist seit dem Album "Overthrown" (2015) nichts mehr von Esteban’s zu hören gewesen. Stattdessen wird Jarmer nun als Kristoff im Dialekt vorstellig und klingt, als hätte er nie etwas anderes gemacht.

Dabei ist sein Umgang mit dem Idiom recht ungewöhnlich: Wenn gemeinhin gesagt wird, dass der Dialekt in seiner Dehnbarkeit und Vielseitigkeit dem Verständnis von Inhalten zuträglich ist, so verdichtet er Jarmers Texte zu hochpoetischen, aber ganz und gar kryptischen, gewissermaßen sinnabweisenden Metaphern. Der Einstieg, "Du bliatst", versinnbildlicht vir-tuos Jarmers bildliche Undurchdringlichkeit: "Du stehst im Spalier / doch du g’herst net zu mia / wei du bliatst an der Haund", heißt es da völlig unaufgeregt in schönstem melodischem Schmelz.

In dieser Tonart geht es weiter. Allein die Songtitel müssen einen André Heller erblassen lassen: "Mei Herz es tropft", "Da Noa red’ uns drein", "Foab meina Soe". Ein nicht näher definiertes "Wir" präsentiert sich "verkleidet ois Briada" in der Ballade "Wia Briada", die sich um Schein und Sein, Gier und gegenseitiges Verdrängen drehen könnte (oder auch nicht).

Musikalisch orientiert sich Kristoff, seiner langjährigen Stammband nicht unähnlich, an einem Folk, der auf eine kräftige Erdung im Rock nicht verzichten will und hin und wieder auch Platz für Soul-Einflüsse hat. Eine schöne runde Sache also - mit Rätseln.