Irgendwo in einem Hotel in Lettland muss Jonathan Wilson schlimmes Heimweh befallen haben: Sehnsucht nach der Familie daheim in Amerika, nach North Carolina, wo er 1974 zur Welt kam und aufwuchs, und offenbar auch nach den heimatlichen Klängen von Country, Bluegrass und Folk. 2017/18 war der Singer-Songwriter jedenfalls als Gitarrist auf Tour mit Roger Waters, und aus der damaligen homesickness ist sein inzwischen viertes Soloalbum hervorgegangen.

Live im Studio eingespielt, und zwar in Nashville, der Urheimat amerikanischer Musik, ist es ein sehr persönliches Album geworden. Begleitet unter anderem von den beiden Sehnsuchtsinstrumenten schlechthin, nämlich der Pedal Steel und der Fiddle (sagenhaft hier: Mark O’Connor), singt Wilson in Erinnerung an die "69 Corvette" des Vaters, an die Kindheit in einer Hippie-Gemeinde und an verflossene Lieben. Das balanciert manchmal hart am Rande des nostalgischen Kitsches, beschert uns aber auch großartige Songs wie "Korean Tea", "Riding The Blinds" oder "Oh Girl".