Ja, es gibt sie noch, die guten alten Dinge. Zumindest werben nicht wenige Unternehmen inzwischen mit nostalgischer Sehnsucht nach dem Traditionellen, gut Gemachten. Bäckereien heißen dann Brotmanufaktur, das Bier wird zum Craft Beer und Mode kommt als Vintage daher.

In der Musik spricht man in diesem Zusammenhang gerne von Handmade music, und auch eine Strömung wie Lo-Fi meint nicht nur das technische Equipment (dazu gibt es sogar ein Recording manifest), sondern auch eine grundsätzliche Haltung zum Musizieren und zur Welt.

Auch Stephen Malkmus, 1989 Mitbegründer gleich zweier legendärer Indie-Bands, nämlich von Pavement und den noch viel besseren Silver Jews um den im Vorjahr verstorbenen David Berman, hat, so scheint es, wieder zurückgefunden zu traditionelleren Techniken des Musikmachens. Nach seinem missglückten, weil fürchterlich faden Ausflug in die Welt der Electronica ("Groove Denied", 2019), hat er sich nun wieder auf seine Wurzeln besonnen und ein ganz wunderbares Indie-Folk-Album aufgenommen. Der Opener, "ACC Kirtan", lässt zwar zunächst weltmusikalische Ausflüge nach Südasien erwarten, doch schon nach kurzer Zeit werden Sitar und Tabla von Malkmus’ lakonisch-lässigem Gesang und seiner zwölfsaitigen Gitarre an die Leine genommen.

"Xian Man" weist dann zwar vom Titel her gen China, doch tatsächlich singt Malkmus hier von Christen und liefert sich wunderbare Gitarrenduelle mit Matt Sweeney (dessen Beteiligungspalette von Bonnie "Prince" Billy bis zu Tinariwen reicht). Die elf Songs von "Traditional Techniques" bestechen durch eine musikalische Entspanntheit, die zu keiner Zeit langweilig wird. Ob Fuzzrock, Desert Blues, Ethnoklänge oder melancholische Ballade (das wunderbare "Cash Up") - Malkmus erweist sich als begnadeter Songwriter, der wie immer mit seinen kryptisch-verspielten Texten besticht: "Ich sehne mich nach dem Gefühl, wenn Versprechen in der Wirklichkeit verklingen", heißt es an einer Stelle.

Hier klingen die Verheißungen auch in der Realität sagenhaft gut. Und beweisen: Es gibt sie tatsächlich noch, die guten alten Dinge.