"II"-Albumcover.
"II"-Albumcover.

Erstmals auf sich aufmerksam gemacht hatten Elsa Tootsie and the Mini Band im Jahr 2015 mit ihrem Debütalbum "Trickle Down". Mit großer Kunstfertigkeit und viel Raffinesse kombinierte das in Wien ansässige Trio darauf Blues, Folkrock, Country und Americana zu einem ganz eigenständigen Sound: So weit wie der Horizont, so strahlend wie der Vollmond und so intensiv und atmosphärisch wie eine Sonnenfinsternis.

Die Cover-Vorderseite des nun erschienenen zweiten Streichs präsentiert zwar flächendeckend den Bandnamen, unterschlägt aber den Albumtitel. Der (auf der Cover-Rückseite doch klar ersichtlich) gibt auch nicht viel her - lautet er doch schlicht "II". Umso beeindruckender geriet das Album selbst. Das Trio betreibt ebenso leidenschaftliche wie liebevolle Wurzelkunde, verfeinert die stimmige Melange aus unterschiedlichen Genres aber und erweitert das musikalische Spektrum ins dezent Experimentelle.

Auch wenn die erwähnten Stile weiterhin die musikalische Basis bilden und der Einfluss von großen Vorbildern wie Neil Young, Hugo Race oder Green On Red mehr als einmal durchscheint, ist es überflüssig, Vergleiche mit großen Namen zu bemühen. Die Musik von Elsa Tootsie and the Mini Band spricht auf unverwechselbare Weise für sich selbst. Der dem Ohr des Hörers schmeichelnde Grundton, der ihn innig und anmutig umarmt, kippt nicht selten ins Zupackende und Bedrohliche, wenn sich die Band etwa daranmacht, dunkle und düstere Ecken aufzuspüren. In der Mehrzahl sind es Midtemposongs und Balladen, die mit ihrer stimmigen Balance aus dunkel grundierter Dringlichkeit, geschmeidiger Erhabenheit und heiterer Gemütlichkeit überzeugen.

Das Unterwegssein auf staubigen Landstraßen, der Traum vom Weggehen und die Angst vor dem endgültigen Ankommen, das temporäre Verweilen an schönen Orten, die unbändige Sehnsucht nach Freiheit und die stets präsente Unruhe und Unsicherheit sind die Themen der Songs, die mit ihren schlingernden Melodien eine nicht geringe Sogwirkung hervorrufen. Das klingt einmal tiefenentspannt, dann wieder irrlichternd und beschwörend. Ein kleines Meisterwerk als atmosphärisches Klangkino.