Rita Wilson hat sie offenbar schon, die Quarantäne-Langeweile. Die Ehefrau von Tom Hanks ist mit Coronavirus infiziert in Australien "kaserniert". Von dort aus hat sie einen Aufruf gestartet, mit ihr zusammen eine Playlist auf Spotify mit Liedern, die zur Einsamkeit passen, zusammenzustellen. Da finden sich dann so "aufgelegte" Einträge wie "All by myself" von Eric Carmen und "Dancing with myself" von Billy Idol, aber auch Aufrichtendes wie "Amazing Grace" oder schöne Pointen wie "U can’t touch this" von MC Hammer.

Viele Künstler haben aber auch ihre Fans direkt über die Sozialen Medien angesprochen und ihnen mit Musik entweder Mut gemacht oder ihnen ins Gewissen geredet. Hiphop-Shootingstar Lizzo hat ihre Querflöte ausgepackt und ein halbstündiges Video auf Instagram gestellt, in dem sie nicht nur eine Melodie spielt, die man als Mantra verwenden kann, sondern auch diverse Meditationstipps gibt.

Man muss sich nicht unbedingt auf den Balkon stellen, um Musik für andere zu machen. Aber man kann: Auch der Geiger Yuri Revich stellte sich Sonntag Abend mit seiner Geige auf den Balkon, da spielte er "We are the world" auf seiner Stradivari. Am Mittwoch Abend ab 18 Uhr erweitert er sein Publikum auf Zuhörer via Facebook und Instagram. Er wird Stücke von Bach über Paganini bis Piazzolla spielen.

Starpianist Igor Levit war ein Early Adopter dieser neuen anlassbezogenen Präsentationsform: Er gibt jeden Abend 19 Uhr CET, soweit er kann, ein "Hauskonzert" auf Twitter, da beglückte er Zuhausebleibende etwa bereits mit Beethovens "Apassionata".

Cellist Yo-Yo Ma macht es ähnlich, unter dem Hashtag #SongsofComfort spielt er auf seinem Twitter-Account Musik, die Trost sein soll. Sein erster Versuch war "Aus der neuen Welt" von Antonin Dvořák.

Der DJ und Produzent Diplo hat auf seinem Instagram-Account am Wochenende zum ersten "Corona Sabbath" geladen. Er hat jede Menge Musik, die er zwecks Albumneuproduktion schon fertig hat, die wird er nun in unregelmäßigen Abständen mit anderen Quarantinierten teilen.

Schauspieler und Sänger Donald Glover – mit seiner Musik eher als Childish Gambino bekannt -  stellte sein neues Album "Donald Glover presents" am Sonntag vorzeitig online, leider blieb es da (auf seiner Homepage) nicht lange.

Zurück auf den Balkon: Auf Facebook überträgt die Gruppe "Täglicher 18.00 Flashmob-Gig in Österreich" das, was professionelle Musiker und leidenschaftliche Laien aus ihren Fenstern oder von ihren Balkonen - nach dem Vorbild Italiens - tönen lassen. Da sind auch Beiträge von Willi Resetarits und Opernsänger Clemens Unterreiner zu finden.

Auch "Wiener Zeitungs"-Kolumnist und Kabarettist hat sich schnell an die Situation angepasst und liefert seit Freitag einen Decamerone2020. In Boccaccios "Decamerone" aus dem 14. Jahrhundert flüchten zehn Personen vor der Pest, die sich dann 100 Tage lang 100 Geschichten erzählen. Das macht jetzt auch Groebner, nur eben allein. Jeden Tag um 20 Uhr 20 steht eine andere kuriose Figur im Mittelpunkt seiner Miniaturen.