DAF-Sänger Gabi Delgado-López, hier bei einem Auftritt in Hildesheim im Sommer 2017. - © Rudi Keuntje / dpa Picture Alliance / picturedesk.com
DAF-Sänger Gabi Delgado-López, hier bei einem Auftritt in Hildesheim im Sommer 2017. - © Rudi Keuntje / dpa Picture Alliance / picturedesk.com

Als sich die Deutsch Amerikanische Freundschaft gegen Ende der 1970er Jahre mit Punk-Hintergrund formierte, geschah dies unter den beinahe noch herkömmlichen Vorgaben des Bandformates – inklusive Bass und Gitarre: Das im Jahr 1979 erschienene, noch rein instrumental gehaltene Debütalbum "Produkt der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft" kündet davon.

Der Durchbruch gelang der bald auf ein Kernduo aus dem studierten Jazzmusiker Robert Görl und dem spanischstämmigen Sänger Gabi Delgado-López reduzierten Arbeitsgemeinschaft ähnlich den gleichfalls in Düsseldorf gegründeten Kollegen von Kraftwerk aber unter den Vorzeichen der elektronischen (Tanz-)Musik. Nach dem sensationellerweise auf Daniel Millers Label Mute Records in London erschienenen zweiten Album "Die Kleinen und die Bösen" wurde diesbezüglich allerspätestens 1981 mit "Alles ist gut" Geschichte geschrieben.

Messerscharf

Minimalismus, Repetition, homoerotisch aufgeladenes Begehren in Lack und Leder und Texte mit Querbezügen zu den Themen Faschismus, Sex und Gewalt, festgemacht an Titeln wie "Der Mussolini", "Muskel" und dem gegen jeden Ansatz von Wald- und Wiesenfolklore vorrückenden "Ein bisschen Krieg": Die Kombination von Robert Görls weitestmöglich vom Jazz entfernten Musikgrundgerüst aus bedrohlich pochenden oder verschwitzt über den Dancefloor peitschenden Sequencerbässen und energetischen Live-Drums mit Gabi Delgado-López' in den Hallraum gehechelten Textminiaturen war so messerscharf wie treffsicher.

Immerhin wurde hier auch mit akkuratem Haarschnitt als Begleiterscheinung zu strammen Marschierrhythmen für ideologische Verwirrung gesorgt, die manche im Graubereich angesiedelten Texte einerseits gezielt provozierten. Andererseits rückte mit "Der Mussolini" einer der beiden Hits von DAF nicht zuletzt die Austauschbarkeit von Gesinnungen ins Zentrum: "Geh in die Knie / Und klatsch in die Hände / Beweg deine Hüften / Und tanz den Mussolini / Dreh dich nach rechts / Und klatsch in die Hände / Und mach den Adolf Hitler / Tanz den Adolf Hitler / Und jetzt den Mussolini."

"Verschwende deine Jugend", der zweite popkulturell kanonisierte Hit des Duos ("Du bist schön und jung und stark / Nimm dir, was du willst / Solange du noch kannst"), wurde im Jahr 2001 nicht nur als Titel von Jürgen Teipels groß angelegter Oral History über Punk und New Wave in Deutschland wiederverwertet. Er adelte die Deutsch Amerikanische Freundschaft neben Kraftwerk, den Einstürzenden Neubauten, Neu! oder Can endgültig auch zum international einflussreichsten deutschen Pop-Act der Geschichte. Allfällige, allerdings schlechtere DAF-Anleihen im Schaffen Rammsteins sollten später kein Zufall sein.

Bewährte Formel

Nach zwei weiteren Alben, "Gold und Liebe" und "Für immer", war für die Deutsch Amerikanische Freundschaft bereits im Jahr 1982 alles gesagt. Robert Görl und Gabi Delgado-López gingen getrennte Wege, veröffentlichten 2003 ihr bis heute letztes gemeinsames Album "Fünfzehn neue DAF-Lieder" um die Single-Gratwanderung "Der Sheriff (Anti-Amerikanisches Lied)" und wurden zuletzt im Jahr 2017 für die Werkschau "Das ist DAF" gefeiert, der mit "Sprache der Liebe" auch eine elektrisierende neue Single vorausging: "Sex ist elektrisch / Du bist fantastisch / Ich bin besessen / Und animalisch."

Entgegen den Konventionen der Musikindustrie fand das Duo weiterhin aber auch für handverlesene Konzerte zusammen, die nicht nach Finanzplan, sondern nach Lust und Laune gegeben wurden. Entsprechend gewinnend fielen sie aus: Zuletzt konnte man sich in Wien im Dezember 2017 in der Grellen Forelle davon überzeugen, dass die bewährte DAF-Formel auch live nichts an ihrer Durchschlagskraft eingebüßt hatte.

Ein weiteres Comeback ist nun ausgeschlossen: Wie Robert Görl am Montagabend informierte, ist Gabi Delgado-López am Sonntag überraschend verstorben. Der Sänger, Songtexter und Performer wurde 61 Jahre alt.