Das Albumcover steht Kopf, der Titel ("Yeah Yeah Yeah") kommt als programmatische Ansage daher und der Auftakt ist eine Art kritische Intervention im Zeichen des musikalischen Schockmoments. Statt einer eigentlich von den 5/8erl in Ehr’n gewohnten wienerstädtischen Soul-Spielart inklusive Dialektgesang und aufsteigendem Kräuterduft setzt es Nachschub aus dem Bereich des Schubert’schen Klavierliedes - samt auf Belcanto gestimmtem Heldentenor.

Inhaltlich werden dabei keine Gefangenen gemacht. Es geht dem Titel "OE24" entsprechend darum, den "Erlkönig" aus der Feder des Dichterfürsten Goethe ins Milieu des heimischen Buntblattgewerbes zu verlagern, dessen Erzeugnisse man vor allem als Sitzpolster aus der U-Bahn kennt. Der Einstieg ist also eine sogenannte "schware Partie". Allerdings geht für Stammkunden der 5/8erl spätestens bei Song Nummer zwei auch schon wieder die Sonne auf.

Gespielter Witz

Mit "Jessica" regiert über ein zartes Update in Richtung Pop und mit der Tiefenentspannung einer großen inhaltlichen Belanglosigkeit das gute alte Laid-back-Feeling eines Sommertages an der Copa Cagrana. Der Bass funkt, die Finger schnippen - und der Spritzwein geht heute aufs Haus. Der auf Interpunktion verzichtende Ausruf "Yeah Yeah Yeah" kommt also nicht gänzlich von ungefähr. Wobei er als einziger gesungener Text neben dem Songtitel von "This Is A Political Message" die Frage aufwirft, ob er tatsächlich zur politischen Botschaft taugt oder ob uns diese von der Band im Rahmen eines ihrer berüchtigten gespielten Witze wieder einmal vorenthalten wird.

Schabernack mit der Semantik und dadurch auch mit der Zuhörerschaft bestimmt das im Jahr 2006 gegründete Quintett ebenso wie die eingestreute politische Spitze ("Alaba - How Do You Do?", "Akademikerball") und die Einstellung, das Leben nicht allzu schwer und sich selbst nie zu ernst zu nehmen. Denkt man dann noch an die bevorzugt akustische Ausrichtung, eine gewisse auf dem Konservatorium erlernte Kunsthandwerklichkeit und die eine oder andere von großer Innigkeit zeugende Ballade, kommt man dem Kern der 5/8erl bereits relativ nahe.

Über die Jahre hat die an vorderster Bühnenfront von Bobby Slivovsky (den an Helmut Qualtinger geschulten Schnauzbartträger aus dem Brandineser) und Max Gaier (den Hagestolz mit den koketten Augen) vertretene Arbeitsgemeinschaft ihr Schaffen dabei so weit ausnuanciert, dass sie heute mit lockerer Hand aus dem Vollen schöpft. Bei Song Nummer acht wurde auf "Yeah Yeah Yeah" (Viennese Soulfood/Hoanzl) bereits das achte Genre vermessen - allfällige stilistische Brückenschläge nicht mitgezählt. Warum auch kleckern, wenn man klotzen kann?

Mit Elvis durch die Südsee

Die Singleauskopplung "Vaporizer" dampft unter Reggae-Vorzeichen aus einem zwecks Abusus frech umfunktionierten Glasgefäß, das einer der bisher vier eingeheimsten Amadeus-Awards der Band sein könnte - damit er doch einen Sinn hat. Im "Cafe Laternderl" hört man afrikanische Polyrhythmik, mit einem Abzählreim im Stile Klaus Eberhartingers aber auch die EAV. Und "Die Sonne über Europa" zeigt Elvis auf Schlagerkreuzfahrt durch die Südsee, nachgestellt im Wissen um Christian Anders und Mandy von den Bambis als Gottheiten aus dem Kuchlradio von damals: "Wenn das Feuer entfacht und die Liebe der ganzen Nacht den Mondschein ertanzt . . ." Nach einem Nasenflöten-Solo und vor etwas Scat-Gesang muss dabei auch Raum für eine Hawaiigitarre bleiben, die lieber sehnsüchtig draußen an der Reling den Mond anheult, als drinnen vor Dörte und Bert beim Captains Dinner aufzugeigen. Mit der MS Melody ins Glück - ja, von wegen!

Einen Höhepunkt kredenzt die Band diesmal an vorletzter Stelle: "Du nimmst mi ausanand" ist ein Song im Zeichen des großen Gefühls und der übergroßen Balladengeste, die uns an Prince im Purpurregen an der Hotelbar denken lässt - ohne dessen Gebell als spitzer Lumpi, glatt produziert und kunsthandwerklich abgefedert aber auch ein wenig an die Eduscho-Werbung. Seinem Titel zum Trotz verpasst übrigens "A Hand wascht die andere" die Chance auf eine Botschaft zur Lage: Wir hören hier keinen Beitrag aus der Kategorie der in Corona-Zeiten gerade so angesagten "Händewaschsongs".