Wenig Freude haben Veranstalter von Popkonzerten mit den für Herbst in Aussicht gestellten Veranstaltungslockerungen der Bundesregierung. "Für uns ist das eine völlige Fehlentscheidung", meinte Ewald Tatar von Barracuda Music, verantwortlich für Konzerte und Festivals wie das Nova Rock. Zentrales Problem sei, dass sich die neuen Möglichkeiten weiterhin nur auf Sitzplatzveranstaltungen beziehen.

"Das gibt für uns keinerlei Planungssicherheit her", bekräftigte Tatar im Gespräch mit der APA. "Es ist ein absoluter Schwachsinn, was man da in unsere Richtung entschieden hat", verwies er auf die Besuchergrenzen von 5000 indoor respektive 10.000 outdoor, die jeweils zugewiesene Sitzplätze vorfinden müssen. "Außerdem weiß man schon wieder nicht, wie lange das gilt, wir haben ja kein Enddatum gehört."

Umplanungen unmöglich

Unabhängig davon bedeute die Regelung "für uns auch im Herbst 100 Prozent Ausfall", so der Konzertveranstalter. "Wir können kein Stehplatzkonzert, das so geplant war, plötzlich zu seinem Sitzplatzkonzert mit Abstandsregeln und was auch immer machen. Offenbar war die Politik noch nie bei einem Stehplatzkonzert, denn sonst kann ich mir nicht erklären, wie man das nun entscheiden kann."

Ähnlich argumentierte man bei Arcadia Live. Man habe die heutige Pressekonferenz "lange herbeigesehnt und aufmerksam verfolgt". Für manche Veranstalter mögen die präsentierten Regelungen eine Erleichterung bringen, "für uns und unser Tätigkeitsfeld ändert sich jedoch nicht wirklich etwas", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der APA. Die Sitzplatzregelungen "tangieren unseren eigenen Veranstaltungskalender - und vermutlich auch jenen vieler KollegInnen im Bereich der 'zeitgenössischen Unterhaltungsmusik' - deshalb kaum bis gar nicht".

Fehlende Perspektive bis Jahresende

Eine wirkliche Perspektive für größere Konzerte im Herbst und Winter gebe es daher auch nicht. "Wir warten weiterhin auf konkrete Ansagen zu Stehplatzkonzerten und können dazu erst etwas sagen, sobald es entsprechende Überlegungen und Regularien seitens der zuständigen Behörden gibt", so Arcadia Live. Gleichzeitig erklärte man, bereits an allen nötigen Sicherheitskonzepten zu arbeiten. "Sobald wir eine Möglichkeit für unsere Veranstaltungen sehen, werden wir natürlich all das umsetzen."

Sicherheitsvorkehrungen unabdingbar

Aus anderen Gründen warnt der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter zur Vorsicht: Die Lockerung der Corona-Beschränkungen für Sport-und Kulturveranstaltungen hält er für notwendig und vertretbar, aber sie dürfe keinesfalls ohne flankierenden Maßnahmen erfolgen, sagte Hutter im ORF-Radio. Massenevents wie Fußballspiele mit bis zu 10.000 Zuschauern bezeichnete der Experte als "Gratwanderung".

Das von der österreichischen Regierung ab 1. September erlaubte Zuschaueraufkommen von 5000 drinnen bzw. 10.000 im Freien dürfe nur unter gewissen Sicherheitsvorkehrungen erfolgen. "Es ist ganz wichtig, dass man vermittelt, gerade wenn es um Kulturbetrieb und Veranstaltungsbetrieb geht, dass das nur unter der Voraussetzung geschehen darf, dass das Ansteckungsrisiko minimiert wird." Deshalb wären ganz klare Sicherheitskonzepte notwendig. "Denn wir müssen die Gesellschaft als Ganzes vor einer unkontrollierten Ausbreitung schützen." Dementsprechend hätten auch die Veranstalter, speziell wenn es um größere Menschenansammlungen geht, eine besondere Verantwortung.

Speziell in geschlossenen Räumen wie Konzerthallen seien die Schutzmaßnahmen besonders zu beachten, betonte Hutter, der in Innenräumen bei der Unterschreitung des Ein-Meter-Sicherheitsabstandes Masken für notwendig hält. Ein wichtiger Faktor seien außerdem gut funktionierende Lüftungsanlagen. Das Führen von Teilnehmerlisten bezeichnete er für die schnelle Rückverfolgbarkeit als ein geeignetes Mittel.