Auch wenn sie Mühe haben, sich des Verdachts des Epigonentums zu erwehren und Geschichten über sie kaum je ohne Referenzen an große Altvordere wie Joy Division auskommen, haben Interpol mit ihren kratzigen Gitarren und der verschatteten Stimme von Sänger Paul Banks doch einen recht spezifischen Sound. Wie sich indes über die Jahre hinlänglich und teils auf kuriose Weise gezeigt hat, ist dieser Anzug dem Kosmopoliten, der Teile seines Vorlebens in Spanien und Mexiko verbracht hat, viel zu eng. So ist der 42-Jährige etwa Hip-Hop-Fan, der seiner Leidenschaft schon einmal mit einer Split-LP mit Wu-Tang Clans RZA und als Produzent eines Mixtapes gefrönt hat. Verschiedene Stile und Formen des Melodie-Pop zwischen offen strukturiertem Rock und Latino-Adaptionen erkundete er recht vital als Julian Plenti, während sein Soloalbum "Banks" am ehesten an die Musik andockt, die man von Interpol kennt.

Nun hat sich Banks mit Josh Kaufman, einem Multi-Instrumentalisten und Songwriter aus dem Umfeld der New Yorker Knitting Factory, und Matt Barrick, dem Trommel-Berserker der Walkmen, selig, zu einer "Supergroup" zusammengetan. Auch wenn Banks der mit Abstand Bekannteste des Trios ist, kehrt just er das Gemeinschaftliche des Projekts hervor: Alle drei, betont er, hätten Anteile an Songs und Texten.

Tatsächlich kann man annehmen, dass die Arbeit in trauter Harmonie abgelaufen sein muss, denn es ist, wie das unbetitelte Debütalbum zeigt, fast abartig schöne Musik dabei herausgekommen. Schon der sanfte Einstieg mit dem philosophischen "Bad Feeling" überrascht mit einer Bläser-Einlage, die nicht schlecht in den Klezmer-Bereich passen würde. Durch "Patchouli" weht sogar ein Hauch vom Sentiment kitschiger Tex-Mex-Schlager. Das schnelle "Knuckleduster" erinnert dann doch daran, dass man es mit Rock-Musikern zu tun hat, während ein sehr temperiert singender Banks in "Red Western Sky" und "Everything Like It Used To Be" melodische Grandezza zelebriert. "All Is Dead To Me" schließlich zerfließt in einer Melancholie, deren Sog man sich einfach nicht entziehen möchte.