Wie viele sehr gute Alben muss Nadine Shah eigentlich noch vorlegen, um zu einem sogenannten "großen Namen" zu werden? Außer einer Nominierung für den Mercury Prize 2018 war da noch nicht viel. Mit ihrem mittlerweile vierten Studioalbum, "Kitchen Sink", startet die englische Singer/Songwriterin mit norwegisch-pakistanischen Wurzeln den nächsten Versuch.

Während die Texte um Sexismus, Geschlechterrollen, (überholte) Moralvorstellungen und bedauerliche gesellschaftliche Entwicklungen kreisen, setzt Nadine Shah musikalisch auf vielfältige Sounds und verknüpft Trip-Hop-, Soul- und Electronica-Anklänge zu einem stimmigen Ganzen. Das von Ben Hillier (Blur, Depeche Mode) produzierte Album gefällt nicht zuletzt mit dem Kunstgriff, seinen dystopischen Einschlag mit viel Pop-Appeal abzufedern. Dunkel grundiert, teils beklemmend, teils berührend, aber stets kämpferisch und dringlich.