In diesem Fall ist die Metapher von der Geburtsstunde oder dem Auf-die-Welt-Kommen eines Albums durchaus wörtlich zu nehmen, handelt "A Quickening" doch hauptsächlich von der Geburt von Orlando Weeks’ erstem Kind, einem Sohn, wie die ersten vier Zeilen des ersten Songs ("Milk Breath") gleich mehr als deutlich verkünden: "My Son, My Son, My Son, My Son...". Wobei dieses Stück als einziges den Frischgeborenen als bereits existentes Wesen thematisiert, während die restlichen zehn Nummern, in fließenden Übergängen und assoziativen Ketten, den pränatalen Zustand der Erwartung von Elternschaft retrospektiv umkreisen und leitmotivisch umspielen.

Um eine Geburt im übertragenen Sinn handelt es sich bei "A Quickening" aber auch: nämlich um jene des ehemaligen Sängers der Maccabees als Solo-Artisten. Die britische Indie-Band, eine der kreativsten und maßgeblichsten des Genres, war 2017, nach vier Alben, am Höhepunkt ihres Erfolgs (u.a. Headliner beim renommierten Latitude Festival) auseinandergebrochen. Orlando Weeks, stimmlich prägend, aber keine Rampensau (wie man bei einem Konzert im Wiener Gasometer einst sehen konnte, wo er meist vom Bühnenrand aus agierte), war nach dem Split ein Jahr nach Berlin gezogen, hatte als ehemaliger Kunststudent mehr gezeichnet als musiziert (und u.a. das Kinderbuch "The Gritterman" geschrieben und illustriert).

Nun aber doch wieder Musik - und das in ausladendem Format. Orlando Weeks hat sein Söhnchen in eine üppige orchestrale Wiege gelegt. Weit weg vom gitarrenbetonten Maccabees-Sound, bestimmen nunmehr elektronische Flächen, die sich mit Klavieren, Trompeten, Hörnern und allerlei sonstigem Gebläse anreichern, das Klangbild. In Verbindung mit Weeks’ feierlich-sonorem Gesang zeitigt das teils zum Niederknien schöne ("Takes A Village", "Blame Or Love or Nothing"), teils etwas etüdenhafte Ergebnisse ("Moon’s Opera", "Dream"), die an die frühe Phase von Hark Hollis erinnern, als dieser sich aus dem Talk-Talk-Universum freizuspielen begann - und in immer abstraktere Sphären entschwand.