Meistertrommler und Talentscout: Art Blakey. - © APAweb / Francis Wolff
Meistertrommler und Talentscout: Art Blakey. - © APAweb / Francis Wolff

Wenn die "Neuentdeckung" einer Oper gefeiert wird, ziehen Skeptiker gern ein Schnoferl: Es werde wohl seinen Grund haben, warum die Antiquität der Vergessenheit anheim gefallen war, unken sie. Diese Frage stellt sich nun auch bei einem Jazzalbum: Blue Note Records hat kürzlich eine Aufnahme aus dem Jahr 1959 erstmals herausgebracht, und seltsam, sie ist von niemand geringerem als Art Blakey’s Jazz Messengers. Wie kam es, dass die Bänder dieses Charismatikers so lange im Archiv vor sich hin grundelten?

Ein Grund ist der hohe Output der Band, ein anderer wohl, dass das "Bessere der Feind des Guten" ist, um Voltaire zu zitieren. Blakey und sein wechselnder Talentpool (damals mit Trompeter Lee Morgan und Saxofonist Hank Mobley, aber nicht mehr mit Pianist Horace Silver) hatte das Material im März 1959 aufgenommen. Das nächste Album basierte dann aber auf einem Live-Mitschnitt aus dem Birdland im April ("At The Jazz Corner Of The World"), die Studiobänder verschwanden in der Lade.

Beim Durchhören dieses "Nachlasses" wird es verständlich: Auf "Just Coolin’" erreichen die Messengers ihre siedende Intensität nur fallweise, meist köchelt der Hardbop auf gediegenem Niveau dahin. Jazzfans sei das Album dennoch wegen des Energiezentrums Lee Morgan empfohlen: In seinem Solo über "Jimerick" paart sich der virtuose Zickzack-Stil Dizzy Gillespies mit den ekstatischen Haltenoten des Hardbop.