Der Jazz-Bassist Gary Peacock ist tot. Der 85-Jährige starb bereits am Freitag der Vorwoche im Bundesstaat New York, hieß es am Montagabend. Peacock, bekannt für seinen leisen, sensiblen Ton, zählte zu den Schlüsselfiguren des Jazz nach 1960 und erwarb sich vor allem in Trios Meriten.

1935 in einer Kleinstadt namens Burley im Bundesstaat Idaho geboren, begann der US-Amerikaner an den Instrumenten Klavier, Schlagzeug und Trompete. Als Soldat in Deutschland wechselte er dann zum Kontrabass und blieb auch nach seiner Abmusterung im Land: Dort stand er mit Ikonen des kontinentalen Jazz wie dem Österreicher Hans Koller oder dem Deutschen Albert Mangelsdorff auf der Bühne. Zurück in den USA, arbeitete Peacock in den 60er Jahren – neben einer kurzen Kollaboration mit Miles Davis – für namhafte Vertreter des Modern Jazz und begann, auch die Musik von Ornette Coleman nach anfänglichem Unbehagen zu schätzen. Auch dem lyrischen Jazz von Pianist Bill Evans war er zugetan. 1963 nahm Peacock mit diesem und Paul Motian am Schlagzeug das Album "Trio 64" auf. Der Hintergrund war denkbar tragisch: Zwei Jahre davor war Scott LaFaro, Evans‘ Herzensbassist und ein Freund Peacocks, bei einem Autounfall gestorben.

Auszeit als Biologie-Student

Ende der 60er Jahre brachten die Branchenlaster Alkohol und Drogen die Physis des Bassisten so sehr in die Bredouille, dass er einen Schlussstrich zog: Er kehrte dem Musikbetrieb den Rücken, vertiefte sich in Japan in die Philosophie des Ostens und widmete sich danach in den USA einem Biologie-Studium, das er 1976 auch abschloss.

Peacock kehrte dennoch zum Musikbetrieb zurück und knüpfte 1977 jenes Band, das ihm den meisten Ruhm sicherte: Gemeinsam mit dem fantasiewütigen Klavier-Improvisator Keith Jarrett und dem Schlagzeuger Jack DeJohnette bildete er jene Formation, die als "Standards Trio" in die Jazz-Annalen eingehen sollte. In dieser Zeit begann Peacock auch seine Arbeit für das deutsche Label ECM, berüchtigt für seine elegischen Aufnahmen, und wirkte in der Folge an rund 50 Alben mit. Bis ins hohe Alter blieb der Kontrabassist der Bühne erhalten und brachte im Vorjahr noch das Live-Album "When Will the Blues Leave" heraus. Eine treibende Kraft war ihm stets die Neugier: "Wenn du am Morgen aufwachst und begreifst: ‚Oh mein Gott, ich bin nur ein Anfänger", dann bist du an einem guten Ort", zitiert ihn die englischsprachige Wikipedia.