Das mittlerweile achte Album von Sophia, dem Bandprojekt des US-Singer-Songwriters Robin Proper-Sheppard, beeindruckt als Songkollektion des Übergangs und der Veränderung. Themen wie Verlust, Abschied, Trennung, Liebesleid und Zweifel prägen die Texte von "Holding On / Letting Go", die Songs gleichen bewegenden emotionalen Bestandsaufnahmen und nicht selten unbarmherzigen Analysen unerfüllter Hoffnungen und Sehnsüchte.

Ein melodisches und melancholisches Mantra der Wehmut durchzieht die Songs, und doch gelingt es dem Troubadour mit der einschmeichelnden Stimme immer wieder auf verblüffende Weise, das im Ansatz Depressive mit Stil und Anmut aufzufangen. So gewinnt Robin Proper-Sheppard zusammen mit seiner Band selbst tristem Liebesleid und düsterer Schwermut oft Momente von großer Eleganz und Schönheit ab.

Der in San Diego geborene Musiker lebt derzeit in Berlin und hat eine neue Band um sich geschart, die seinem originären Mix aus Singer-Songwriter-Folk und Indierock zu einem volleren und satteren Sound verhilft. Die von ihm besungenen emotionalen Wechselbäder gibt es diesmal schnell und langsam und laut und leise. "Holding On / Letting Go" ist das erste in voller Bandbesetzung - Jeff Townsin (Schlagzeug), Sander Verstraete (Bass), Jesse Maes (Gitarre) und Bert Vliegen (Keyboard & Synthesizer) - eingespielte Album von Sophia seit 1996 ("Fixed Water"). Zusammen gelingt es der Band, Rock-Klänge, dichte elektronische Soundflächen und behutsam ins Klangbild eingebaute akustische Gitarren zu einem stimmigen Ganzen zu arrangieren.

Neben den empfindsam-eindringlichen Balladen "Avalon" und "Gathering The Pieces" gefallen diesmal vor allem die bedrohlich-dunkel gefärbten, Post-Rock-beeinflussten Songs "Wait I’m Sorry" und "Strange Attractor" sowie das aus dem musikalischen Rahmen fallende "Alive" mit prägnanten Saxofon-Interventionen von Terry Edwards. Man kann das Album letztlich als zeitlose Songsammlung hören, die bei aller Wehmut den (naiven) Wunsch nach friedlichem Glück beschwört.