1968 war der Stern von Thelonious Monk im Sinken. Vorbei die Tage, als ihm die Jazzwelt endlich den gebührenden Respekt zollte. Vergangen die Zeit, als sein Klavierstil, schroff zwischen Blues und Bebop-Abstraktion pendelnd, die Kassen klingeln ließ. Nun galten Pianisten wie Bill Evans und McCoy Tyner als die Granden der Zunft. Monks Klangkosmos dagegen wirkte an Neuerungen kaum interessiert und schien sich mehr und mehr in einen Käfig für seinen Insassen zu verwandeln.

Gleichwohl hatte den 51-Jährigen die Spiellust (noch) nicht verlassen, wie eine Aufnahme vom 27. Oktober 1968 an der Palo Alto High School belegt. Ein Schüler hatte das Konzert organisiert, ein Hausmeister in respektabler Qualität mitgeschnitten: Die 47 Minuten zeigen das Originalgenie an einem milden Herbsttag seiner Karriere, mit einem kompakten Quartett. Dabei erhält manche Nummer ein paar Metronomticks extra (vielleicht wegen des engen Tourzeitplans, wie im Booklet zu lesen): Die Ballade "Ruby, My Dear" gerät zum launigen Swing, "Blue Monk" startet mit Boogie-Begleitung und kokettiert auf halber Strecke mit dem Sprung in die Doubletime. Dass im neckischen "Well, You Needn’t" alle Beteiligten zum Solo-Zug kommen, macht die Nummer etwas länglich, streicht aber auch die stilistische Klasse von Saxofonist Charlie Rouse hervor. Wirklich furios das Finale: "Epistrophy", der Reißer mit den dornigen Dissonanzen, rollt zur allgemeinen Begeisterung wuchtig dahin.