Gelegentlich braucht es dann doch einen Synthesizer. 1984 und somit sechs Jahre nach ihrem Debütalbum mit dem Titel "Van Halen" mag die im kalifornischen Pasadena gegründete Rockband Van Halen zwar bereits auf eine kommerziell hocherfolgreiche erste Karriereetappe zurückgeblickt haben.

Den Sturm der US-Singlecharts mit ihrer Debüt- (und bis heute einzigen!) Nummereins markierte im Jahr des Großen Bruders allerdings erst der Song "Jump". Dieser bedeutete mit seiner markanten, von Bandchef Eddie Van Halen auf einem Oberheim OB-Xa eingespielten Melodie nicht nur einen Umbruch für die eigentlich wertkonservativ eingestellte Band und ihre Arbeit in den Fachbereichen Hard Rock und Heavy Metal. Er wurde mitsamt seinem Musikvideo und der dort ins Licht gerückten gachblonden Königspudelmähne von Sänger David Lee Roth, den sonst nur aus dem Tennismilieu bekannten Stirnbändern und waffenscheinpflichtigen, da gefährlich eng anliegenden Hosen auch zum Synonym des klassischen Stadionrock. Es geht und ging also um ein nicht immer stilsicheres Genre am Höhepunkt einer alles andere als stilsicheren Zeit.

Tapping-Technik

Für den am 26. Jänner 1955 noch in Amsterdam geborenen späteren Songwriter, Produzenten und Gitarristen Eddie Van Halen wäre innerhalb der Gruppe Van Halen, für die Kiss-Bassist Gene Simmons als Produzent früher Demo-Tapes zunächst den Bandnamen Daddy Longlegs ins Spiel gebracht hatte (mit bekannten, also ausgebliebenen Folgen) ursprünglich die Rolle des Drummers vorgesehen gewesen. Dass diese letztlich von seinem Bruder Alex eingenommen wurde, erwies sich als goldrichtige Entscheidung: Musikgeschichte schreiben sollte Eddie Van Halen schließlich vor allem als Teufelsgeiger auf sechs Saiten.

Die auf gewisse Weise bereits auf die Vorarbeit Niccolò Paganinis zurückgehende, von Eddie Van Halen also jedenfalls nicht erfundene, aber perfektionierte und meisterlich inszenierte Technik des Tapping wurde schon mit "Eruption", dem Instrumental und buchstäblichen Solostück des Debütalbums stil- und genreprägend vorexerziert. Sie ermöglichte es dem in seiner Kindheit am Klavier weniger durch Notenstudium, sondern durch genaues Zuhören und Imitieren geschulten Musiker, mit beiden Händen am Griffbrett auf Exzess eingestellte Solo-Salven und Arpeggios abzufeuern.

Ein "amerikanischer Traum"

Davon profitierten nicht nur ganze Fußballstadien voller Fans und das eigene Bankkonto, sondern mitunter auch andere Acts. Popkulturell ins kollektive Gedächtnis hat sich Eddie Van Halen nicht zuletzt mit seinem Hochgeschwindigkeitssolo in Michael Jacksons Über-Hit "Beat It" von 1982 eingeschrieben. Rundherum trugen vor allem Alben wie "Van Halen II" von 1979 und "1984" von 1984 dazu bei, dass sich die Plattenverkäufe der Band bis heute auf rund 80 Millionen Einheiten summierten. Über seine Familiengeschichte als niederländischer Einwanderer und seine Karriere von den USA aus sagte Eddie Van Halen einmal: "Wir sind hier mit ungefähr 50 Dollar und einem Klavier angekommen und konnten die Sprache nicht. Jetzt schauen Sie uns an! Wenn das nicht der amerikanische Traum ist, was dann?"

Gefährdet wurde der Traum allerdings zunehmend vom Drogen- und Alkoholmissbrauch, der ähnlich exzessiv ausfiel wie sein Gitarrenspiel. Erst im Jahr 2008 konnte sich Eddie Van Halen von seinen Suchtproblemen befreien – zehn Jahre nach dem vorerst letzten Album seiner Band, die mit David Lee Roth, Sammy Hagar und Gary Charone gleich drei Leadsänger verschlissen hatte, und vier Jahre vor einem erneuten Comeback mit "A Different Kind Of Truth" und einer letzten Tour mit Sohn Wolfgang im Line-up, die auch mit dem Album "Tokyo Dome Live in Concert" dokumentiert ist.

Am Donnerstag ist Eddie Van Halen nun nach einem 20-jährigen Kampf gegen Krebserkrankungen im Alter von 65 Jahren verstorben. Das Solo im Jenseits dürfte länger ausfallen.