"I feel my story’s still untold", hebt Róisín Murphy an, "but I’ll make my own happy ending". Dieser dramatische Einstieg in "Simulation", den Opener ihres neuen Albums "Róisín Machine", bleibt übrigens aus dem Abdruck der Texte ausgespart. Übrig bleibt - mit verschiedensten Variationen im Schlepptau - die Beteuerung, dass dies "a simulation" sei, "a lonely illusion", "my only delusion", "a lonely allusion", "a pure creation", "the realm of my wildest dreams" oder jedenfalls nicht weit davon entfernt.

Was will uns Mrs. Murphy damit vermitteln? Desillusion oder ein Loblied auf das "kreative" (Um-)Deuten der Realität? Komplementäre Deutungsmöglichkeiten, das ist etwas, mit dem Murphy gerne zu spielen beliebt. Später, im (selbst-)ironisch betitelten "Murphy’s Law", nimmt die 47-Jährige den Satz von der noch unerzählten Lebensgeschichte und dem selbstgeschaffen Happy End noch einmal auf, und hier stehen die Zeichen unmissverständlich auf Aufbruch aus einem beengenden Lebens- und Liebesverhältnis.

Ebenso offensichtlich ist, dass Murphy, die stimmlich mittlerweile recht "lebensweise" klingende ehemalige Sängerin des in Sachen Dance-Pop als wegweisend eingestuften Duos Moloko, nach ihrer letzten, Richtung elektronischen Kunst-Pop tendierenden LP "Take Her Up To Monto" sich in der Produktion von Richard Barratt wieder ganz dem Tanzboden überantwortet.

Jeder der zehn Songs ist rhythmusbetont und greift sich dafür House-Grooves und 70er-Jahre-Disco. Das ist kein bloßes Zitieren, sondern hingebungsvolles Huldigen - fast schon kokett in den einleitenden, offensichtlich auf den Phillysound verweisenden Streichern in "Narcissus". Die Texterin Murphy erhebt sich nicht über die musikalische Form und trägt den Limitationen, die diese ihr nahelegen, Rechnung. So kommt das mitreißende "We Got Together", das aus der Werkstatt Giorgio Moroders stammen könnte, mit einem Minimum an Worten aus, die nicht mehr als agitieren wollen.

Nicht dass Murphy nicht anders kann: In Songs wie "Something More" verströmt die zweifache Mutter Lebensgier und beharrt auf ihrem Recht, Spaß zu haben.