Wen das Fernweh plagt, der konnte am Dienstag zumindest die Ohren auf Reise schicken: Mariza, Ikone der "World Music", holte ihren ausgefallenen März-Termin im Konzerthaus nach. Die Sängerin ist nicht nur eine Eminenz des Fados, jenes melancholischen Lissabonner Liedguts, in dem sich europäische Harmonien und Morgenland-Arabesken durchwirken. 1973 in Mosambik geboren, schweift der charismatische Blondschopf auch gern in andere Regionen der Weltmusik ab und stimmt beizeiten einen gefälligen Popsong an.

Am Dienstag setzte es daraus einen Mix, der in seiner Großzügigkeit das Zeitfenster sprengte. Um den Fado-Fans und auch den Babyelefanten genug Platz einzuräumen, waren zwei Konzerte in Folge angesetzt worden, das erste von 18 bis 19 Uhr. Doch die Frau mit dem großen Herzen macht ungern halbe Sachen und verabschiedete ihr Publikum erst nach 90 Minuten.

Flankiert von traditioneller Fado-Begleitung (zwei Gitarren plus Bass), Schlagzeug und Akkordeon erwies sich Mariza abermals als singendes Weltwunder - vor allem in ihrem angestammten Fach, dem auch ihr neues Album "Mariza Canta Amalia" gilt: Über dem zarten Saiten-Klangteppich von "Estranha forma de vida" fegten vokale Böen der Verzweiflung, zuckten Ornamente wie Blitze, bevor sich Marizas Gesang immer wieder in rauchige Pianosphären zurückzog. Auch "Barco Negro", fast schon eine schamanische Anrufung des Wehklangs zu reiner Trommelbegleitung, belegte: Mehr zartfühlende Wucht kann eine Stimme nicht besitzen. Am Ende drei Zugaben, die geliebte "Rosa Branca" und allgemeine Glückseligkeit.