Es ist keine Schande, beim Mitwippen zu dieser Musik aus dem Takt zu geraten. Beim Versuch, die Geheimnisse dieser gefinkelten, rasenden Riffs zu ergründen, tun sich selbst gestandene Komponisten schwer (wie der Engländer David Bruce in seinem YouTube-Channel). Der Pianist Tigran Hamasyan, 1987 in Armenien geboren und formal dem Jazz zugerechnet, ist gewissermaßen der Raketenwissenschafter unter den Rhythmikern. Und: Er behaust seinen ganz eigenen Kosmos, errichtet aus Ethnoklängen, Elektronik, Jazz-Harmonik und Heavy Metal. Eine Welt, die ihm nun auch für sein zehntes Album unter eigenem Namen ergiebigen Baustoff liefert.

Ätherische Schwebechöre prallen auf Prog-Metal mit armenischen Ornamenten, zackige Synthie-Riffs begegnen einer träumerischen Versonnenheit, die sich gern durch gesummte oder gepfiffene Motive mitteilt. Dass all dies weitgehend in Trio-Besetzung aufgenommen wurde, ist dem buntschillerenden, kontrastverliebten Konvolut nicht anzuhören. Eine ziselierte, unverkennbare Musikerhandschrift.