Erstaunlich, wie viele Brücken im Laufe der Zeit zwischen Jazz und Klassik erbaut worden sind – und wie sehr sie sich unterscheiden. George Gershwin hat die Genres mit einer süffig-swingenden Symphonik verbunden, Komponistenkollege Gunther Schuller mit komplexen Orchester-Architekturen; der Smooth-Jazz-Mann Dave Grusin hat die Stile eher schmusig verkuppelt ("Two Worlds"), der Grenzgänger Uri Caine wiederum ist mit raffinierten bis schroffen Übermalungen ("Urlicht") zu Ansehen gelangt.

Sebastian Simsa, Wiener Schlagzeuger und Tonsetzer, vermengt die Genres sanft, ohne dabei in Filmmusikkitsch zu versinken. Seine Gruppe Simsa Fünf neigt auf ihrem Album "The Time We Need" (2018) zu einem jazzigen Tonfall, die Arrangements – besetzt mit Geige, Cello, Saxofon, E-Gitarre und Schlagzeug – kokettieren dagegen eher mit Kammermusik, wobei die Fidel gern einen erdigen Hauch Folk einbringt. Insgesamt eine Mischung, die im Rahmen sanft-treibender Rhythmen Wert auf elegante Melodiebögen legt, aber auch Raum lässt für ein paar hitzige Soli und eine Prise Funk-Pfeffer. Live am Sonntag, 1. November, im Porgy & Bess.​