Depeche-Mode-Songwriter Martin Gore unter seinem Solo-Alias MG. - © Travis Shinn
Depeche-Mode-Songwriter Martin Gore unter seinem Solo-Alias MG. - © Travis Shinn

Eine Woche nach der Inauguration seiner Band in die Rock and Roll Hall of Fame liegt überraschenderweise neue Musik von Martin Gore vor. Am Wochenende hatte ein auf Social-Media-Plattformen lanciertes Foto des Depeche-Mode-Chefsongwriters in zart an David Bowie in seiner Aladdin-Sane-Phase gemahnender Optik mit dem Hinweis "17 November" für Spekulationen gesorgt. Eine zur Veröffentlichung für Jänner 2021 angekündigte EP bestätigt die Rückkehr als Solo-Act nun ebenso wie die bereits auf Streamingplattformen zur Verfügung gestellte erste Singleauskopplung "Mandrill".

Ob das Coronavirus am gewohnten Veröffentlichungsplan seiner Band (Stichwort Vierjahresrhythmus!) rüttelt und daher Ablenkung angesagt war, oder ob Martin Gore parallel zur Arbeit an einem möglichen Nachfolger des zuletzt erschienenen Depeche-Mode-Albums "Spirit" (2017) Zeit dafür gefunden hat, wieder als Solist tätig zu werden, ist nicht überliefert. Sicher ist, dass der 59-Jährige mit den fünf neuen Tracks der "The Third Chimpanzee"-EP (Mute Records) nicht zu seinem Coverversionen- und Fremdaneignungsprojekt "Counterfeit" zurückkehren wird. Stattdessen knüpft Gore unter seinem Alias MG als Produzent an sein 2015 veröffentlichtes Instrumentalalbum "MG" und das mit Techno-Schlagseite versehene gemeinsame Projekt VCMG mit seinem ehemaligen Bandkollegen Vince Clarke (Erasure) an.

Nachtschwarze Vergnügungen

Mit seinem Pumpen und Pochen, einer Extraportion gespensterndem Hall sowie dem wirkungsmächtigen Knarzen eines in seinem Heimstudio in Santa Barbara verbauten gigantischen Eurorack-Synthesizersystems gestaltet sich die unverhoffte Rückkehr dabei jedenfalls reichlich nachtschwarz. Die Soundscapes mögen grundsätzlich Depeche-Mode-kompatibel sein, doch hört man Martin Gore hier erneut das Vergnügen an, sich nicht weiter um die üblichen alten Songwriterzwänge zwischen Lyrics und (stadtiontourtauglichen!) Refrains kümmern zu müssen. Solo kann, darf und muss es experimenteller zugehen. Österreichisch gesagt: "Mandrill" ist eher auf dem Donaufestival in Krems als in der Wiener Stadthalle zuhause.

Wer genau der titelgebende dritte Schimpanse sein soll und warum auch weitere angekündigte Track-Titel wie "Capuchin" und "Vervet" mit dem Kapuzineraffen und der Grünen Meerkatze das Reich der Affen erkunden, wird dann voraussichtlich im Jänner geklärt. Wir bleiben dran.