Der Fürsprache von (Ambient)- Pop-Legende Brian Eno (der auch gleich den das Album beschließenden Song "Homing" produzierte) hätte es gar nicht bedurft. Die Zusammenarbeit von Emily Cross, Dan Duszynski (die gemeinsam die Band Cross Record betreiben) und Shearwater-Frontmann Jonathan Meiburg unter dem Namen Loma zeitigt ein zweites Mal außergewöhnliche musikalische Ergebnisse.

Die Musik des Trios klingt auf "Don’t Shy Away" noch geheimnisvoller und vielschichtiger als auf dem im Jahr 2018 erschienenen selbstbetitelten Debütalbum. Ein virtuoser Stilmix aus Kammer-, Dream- und Indiepop, Americana, Folk, Dark Wave und dezent eingesetzten Ambient- und Psychedelic-Klängen sorgt für ein stimmiges Nebeneinander von sanfter Dringlichkeit, berückender Sinnlichkeit und elektrisierender Intimität.

Erhaben-opulente Sounds stehen neben treibenden Beats, flirrende Keyboardklänge werden von prägnanten Bläsersequenzen abgelöst, elektronische Effekte treffen auf Streicher, die orchestrale Chöre unterstützen, und ein geschmeidiger Gitarren-Twang begleitet den betörenden Gesang von Emily Cross. Wir hören virtuos arrangierte, formvollendet-ätherische Popsongs.

Das Konglomerat aus unterschiedlichsten musikalischen Einflüssen und die sich daraus entwickelnden atmosphärischen Klanglandschaften machen ein oberflächliches Nebenbei-Hören dabei unmöglich. "Don’t Shy Away" ist ein Album, das man nach jedem Hördurchgang mehr schätzt und lieb gewinnt. Schwermut vermählt sich mit Anmut, und auch noch so dunklen Stimmungen gewinnt das Trio eine elegante Schönheit mit leiser Zuversicht ab.

"Half Silences" und das titelgebende "Don’t Shy Away" sind eingängige Grower, die auch als sehr gelungene Pastiches der Kollegen Low ("Double Negative") durchgehen könnten, während das fesselnde "Ocotillo" die Hörerschaft mit seiner von vielfältigem Bläsereinsatz evozierten Dramatik in die Knie zwingt. Kurz: ein ebenso herausforderndes wie tolles zweites Album.