Covid-19, Politik als polternde Farce, Terror in Wien: 2020 ist ein Jahr, von dem man sich wünscht, es würde zur Besinnung kommen und die Schrecken mögen enden. Rest in peace, 2020! So ähnlich werden sich das auch Boris mit ihrem alten Weggefährten Masami Akita aka Merzbow bei ihrer erneuten Zusammenarbeit gedacht haben – mittlerweile können die Japaner auf ein halbes Dutzend gemeinsamer Alben zurückblicken.

Grundlage für "2R0I2P0" ist das Boris-Album "Love & Evol", von dem sechs der zehn Stücke stammen, die eine vor allem von Merzbow geprägte Soundarchitektur übergestreift bekommen. Die Melodien werden von fast schon schmerzhaften Noiseclustern überlagert, die die Liebe und das Böse gleichermaßen zu einer zerstörerischen Tortur werden lassen.

Das kakophone Gewand, das an eine exorzistische Teufelsaustreibung erinnert, ist jedoch mehr als bloß als Freude am Exzess ausufernder Disharmonien zu verstehen: als kathartischer Spiegel dysfunktionaler Gesellschaftsstrukturen und übermächtiger Kräfte, die uns zur Ohnmacht verdammen. So ist das Album eine Signatur für ein Jahr, das nicht vergessen werden wird. Möge es in Frieden ruhen.