Leonard Cohen erinnerte sich an eine gefährliche Atmosphäre aus zu viel Alkohol, bedrohlichen Bodyguards und Schusswaffen auf dem Mischpult. Dass ihm Phil Spector eine davon mit den Worten "I love you, Leonard" an den Hals hielt – laut Ira Nadels Biografie "Various Positions" soll ihm der Liedermacher mit "I hope you love me, Phil" geantwortet haben –, war die eine Sache. Dass Phil Spector irgendwann die Kontrolle über die Aufnahmen an sich riss und mit diesen ungefähr alles machte, was dem Auftraggeber nicht recht sein konnte, die andere.

Wir schrieben das Jahr 1977 – und der Stern des Produzenten Phil Spector befand sich bereits im Sinkflug. Als "Death Of A Ladies’ Man" schließlich erschien, bezeichnete Leonard Cohen die Ergebnisse als grotesk und verweigerte deren Bewerbung. Das Album floppte. Musikhistorisch interessant daran bleibt neben seiner Entstehungsgeschichte aber etwa auch der Song "Don’t Go Home With Your Hard-On" – mit Hintergrundgesang von Bob Dylan und dem US-Beat-Poeten Allen Ginsberg.

Größenwahn mit Halleffekt

Seinen ersten Hit landete der am 26. Dezember des Jahres 1939 in der Bronx geborene Sohn jüdischer Emigranten aus Europa 1958 zwar noch mit seiner Band The Teddy Bears, wobei bereits der auf die Grabinschrift seines Vaters zurückgehende Titel "To Know Him Is To Love Him" auf den Abgrund verwies. Nach der 1960 erfolgten Gründung des Labels Philles Record gemeinsam mit Lester Sill aber wurde Phil Spector vor allem als Produzent, technisch-künstlerischer Innovator und Soundregisseur hinter dem Erfolg anderer Acts weltberühmt.

Bevorzugt mit seinem Arrangeur Jack Nietzsche, dem Toningenieur Larry Levine und den Musikern der Wrecking Crew entstanden zahlreiche Welthits. Die von Phil Spector erfundene, perfektionierte und als "wagnerianisch" definierte "Wall of Sound"-Technik, eine auf Pomp und Größenwahn gepolte Materialschlacht zwischen Überorchestrierung und (Hall-)Effekten, beeinflusste nachrückende Acts wie die Walker Brothers und ließ Beach-Boys-Gründer Brian Wilson vor Ehrfurcht erstarren.

Evergreens für die Righteous Brothers ("You’ve Lost That Lovin’ Feeling") oder Ike & Tina Turner ("River Deep – Mountain High") markierten Spectors Hochphase in den 1960er Jahren ebenso wie der Sound der sogenannten Girl Groups, den der Mann mit dem zunehmend auffälligen Haupthaar mit Stücken wie "There’s No Other (Like My Baby)" von den Crystals und vor allem "Be My Baby" von den Ronettes maßgeblich prägte.

Von Spector in Mono aufgenommene Songs wie "He Hit Me (And It Felt Like A Kiss)" allerdings nahmen bereits vorweg, dass er sich nicht nur im Studio wie ein Tyrann verhielt, sondern auch privat psychische und physische Gewalt ausübte. Seiner Ex-Frau Ronnie soll er zeitweise mit einem Auftragsmörder gedroht haben.

1970 wurde der Produzent sehr zum Ärger Paul McCartneys mit der Finalisierung des letzten Beatles-Albums "Let It Be" betraut, was ihm allerdings Folgeaufträge für Soloalben von John Lennon, George Harrison und Yoko Ono einbrachte. Nach einem Autounfall, den er im Jahr 1974 nur knapp überlebte, versetzte Spector 1979 bei der gemeinsamen Studioarbeit auch noch die Ramones mit seinen Waffen in Angst und Schrecken, ehe er sich zurückzog. Nach Jahrzehnten der Funkstille wurde schließlich im Februar 2003 die Schauspielerin Lana Jean Clarkson erschossen auf seinem Anwesen aufgefunden. Erst sechs Jahre später stand das Urteil von 19 Jahren Haft wegen Totschlags fest.

Am vergangenen Samstag fand sein Wahnsinn ein Ende: Phil Spector verstarb 81-jährig in einem Krankenhaus in Kalifornien.