"Ich möchte mit der Sprache nicht nur erzählen, sondern auch Musik machen", sagte Gert Jonke. Der skurrile Solitär aus Kärnten - am 8. Februar hätte er seinen 75. Geburtstag gefeiert - hat das durchaus wörtlich gemeint. Oder richtiger gesagt musikalisch. Seine Tonkunst, erbaut aus Variation, Wiederholung und Rhapsodieren, fällt das innere Ohr schon beim Lesen an, und sie materialisiert sich noch stärker, wenn Jonke seine Texte (auf erhaltenen Aufnahmen) mit markantem Puls vorträgt.

Die Komponistin und Sängerin Susanna Ridler unterhält seit Jahren eine symbiotische Beziehung mit diesem Kosmos. Immer wieder hat sie diese Texte mit der eigenen Klangsprache verwoben und dabei zu verschiedenen Formen gefunden: Mal lässt sie das Dichterwort über sphärische Orchestermusik schweben, mal durchwirken die Jonke-Sätze elektronische Klangräume, mal sind sie der Katalysator für spontane Jazzkonversationen im Trio mit Wolfgang Puschnig (Saxofon) und Peter Herbert (Kontrabass). Entsprechend abwechslungsreich nimmt sich Ridlers Album "Geometrie der Seele" aus, eine Art Sammelwerk der Vorjahre, das sie zum durchdachten Großprogramm geformt hat. Bei aller Subtilität kommt der Schalk nicht zu kurz: Man lausche etwa der Anekdote vom aufmüpfigen, derben Mund, der sich von seinem Eigner mit den Worten lossagt: Sei ruhig, du Hund / Ich bin der Mund!

Live-Präsentation: 4. Februar im Porgy & Bess (Streaming-Konzert)