Aktuell hat der Mann wieder einen heimlichen Welthit im Angebot, der dem ersten Eindruck zufolge allerdings zur falschen Zeit kommen dürfte: "Hey-hey, ich will nie wieder arbeiten! Nein-nein, nur noch schön durch den Tag gleiten!" Mit Blick auf den Arbeitsmarkt steht freiwillige Leistungsverweigerung im Moment eher nicht so hoch im Kurs.

Da es sich beim Vortragenden allerdings um die Kunstfigur Dagobert handelt, den selbstdeklarierten "Schnulzensänger aus den Bergen", orientiert sich der Müßiggang mit Sektbegleitung am Fuße eines zum Abschalten und Ausschweifen einladenden Skigebietes im dazugehörigen Musikvideo dann aber eh weniger an als Vergleichsgröße naheliegenden Partyhymnen wie "Arbeit nervt" von den deutschen Elektrorappern Deichkind. Nein, unserem Schweizer Romantiker geht es natürlich auch hier um gewisse Gefühle - und ein Leben von Luft und Liebe allein: "Ich bin viel zu beschäftigt zum Arbeiten / Die Gedanken und ich müssen klar bleiben / Wenn ich alles über dich weiß, bin ich weise / Moleküle, Protonen und Eiweiße."

Nach den Breakup-Songs des Vorgängeralbums "Welt ohne Zeit" von 2019 wird auch mit den elf neuen Stücken überwiegend auf stilles Verlangen gesetzt. Großer Schlager beruht bekanntlich darauf, dass die Sehnsucht Sehnsucht bleibt, also (noch) nicht oder nicht mehr in Erfüllung geht. Vom himmelsstürmenden Orchesterpop des eröffnenden "For The Love Of Marie" über den großen Schlagergestus eines Nino de Angelo ("Jenseits von Eden") bei "Das Mädchen aus der schönen Welt" bis hin zum nach Wiedereröffnung der Clubs schreienden Synthiegequengel von "Wunderwerk der Natur" bleibt es bei der Bewunderung aus der Distanz. Die klingt bei Dagobert zu einem Kirchenchor übrigens so: "Mein Herz klopft so laut wie zuletzt 1999 / Es fühlt sich an als würde Jesus gekreuzigt."

Über das Artwork des nach dem Familiennamen Dagoberts benannten Albums "Jäger"
(Recordjet), das den Künstler mit einer Schusswaffe zeigt, die auf dem Cover ein Ast und im Video zum Titelsong ein Jagdgewehr ist, könnte man jetzt diskutieren. So richtig ins Holz, in dem die Tiere wohnen, geht es mit dem abgedunkelten "Im Wald" nur an einer Stelle. Dafür interveniert heute wiederholt auch der Tod ins volle Leben mit dem Herz in der Hose. Diesbezüglich wird Dagobert zwischendurch sogar philosophisch: "Wenn es vorbei ist, sag, ich will noch mal / Genauso wie vorhin, gleich noch einmal!"