Das Beklemmendste am Film "Framing Britney Spears" ist seine allerletzte Einstellung. Nachdem die Filmemacher aufgezählt haben, wer aller nicht mit ihnen sprechen wollte (die ganze Familie von Spears), schreiben sie noch, dass sie natürlich auch Britney Spears selbst kontaktieren wollten: "Ob unsere Anfrage Frau Spears erreicht hat, ist nicht klar."

Für Anhänger der sogenannten FreeBritney-Bewegung ist das natürlich Wasser auf eh schon hektisch rotierende Mühlen. Diese besorgten Fans sind nämlich der Meinung, dass die Popsängerin gegen ihren Willen festgehalten wird und via Soziale Medien codierte Hilferufe an die aufmerksamen Aficionados schickt. Wenn man die Doku der "New York Times" konsumiert hat, sieht man auch diese vermeintlichen Spinner mit zu viel Tagesfreizeit mit etwas anderen Augen.

Die Dokumentation interessiert sich für die Vormundschaft über die Sängerin, die deren Vater seit 12 Jahren innehat. Die Vereinbarung wurde getroffen nach einem medial ausführlich kolportierten Zusammenbruch der Musikerin - und wohl, das lässt die Doku vermuten, um ihr wieder Chancen zu verschaffen, ihre Kinder, zu denen es ein Kontaktverbot gab, zu sehen. Nach Jahren, in denen Spears immerhin eine langfristige Show-Verpflichtung in Las Vegas erfüllt hat, stellt sich auch juristisch versierten Köpfen die Frage, ob und warum diese 39-Jährige noch jemanden benötigt, der für sie die Entscheidungen trifft. Vor allem in finanziellen Belangen.

Kritik an Timberlake

Die Filmemacher können darauf keine konkrete Antwort geben. Sie klären aber eines deutlich: Mit und an Britney Spears haben schon viele Menschen gutes Geld gemacht. In einem Ansuchen um Gehaltserhöhung an das Gericht hat der beigestellte Anwalt sogar wörtlich von einem "Geschäftsmodell" gesprochen.

Aber auch Ex-Freund Justin Timberlake rückt in den Fokus, hat er sich doch für die Trennung gewinnbringend via Hitsong "Cry me a river" gerächt und zur Promotion auch noch Details aus dem Schlafzimmer ausgeplaudert. Überhaupt sind an dieser biografischen Zeitreise, die auch in Spears’ Kindheit im Bible Belt führt, wo sich ihre Eltern mit Müh und Not eine Gesangsausbildung leisten konnten, die 1990er und 2000er-Jahre bemerkenswert. Mit welcher Nonchalance Spears psychischer Zustand als Fernsehquiz-Frage Karriere macht, mit welcher Direktheit nach der Beschaffenheit ihrer Brüste gefragt wird, lässt einem mitunter die Spucke wegbleiben. Einer der vielen Paparazzi, die auch Millionen mit Britney Spears gemacht haben, spricht, als wäre es der normalste Job der Welt, jemanden, der unter mentalem Stress steht, weil er seine Kinder nicht sehen darf, zu verfolgen und belästigen. Er beteuert, Spears habe ja nie gesagt, man solle sie in Ruhe lassen. Eine minutenlange Sequenz davor zeigt, wie sie genau dies immer wieder macht.

Im Herbst des vergangenen Jahres hat das Gericht dem Wunsch von Britney Spears, ihren Vater als Vormund zu ersetzen, nicht entsprochen. Sie hatte schon zuvor angekündigt, nicht mehr aufzutreten, solange ihr Vater die Kontrolle über ihr Geld hat. Das mag eine simple Erklärung für ihre Zurückgezogenheit sein, die manche als Eingesperrtsein interpretieren. Ob da letztlich so ein Unterschied ist, darüber lässt sich nach dieser Doku trefflich grübeln.