Dies ist der Sound des nächtlichen Rückzugs, des Haders, des Sich-Verzehrens - und des Begehrens: Nach einem musikalischen Vorleben im Duo als Lonely Boys kommt die aus Baden gebürtige Künstlerin Rosa Rendl auf ihrem Debütalbum "Opportunity Lover" (Seayou) ganz bei sich selbst an.

Mit teils unter Rückgriff auf Autotune verfremdeter Wisperstimme, in Hall getauchtem Klavier, verfremdeter Gitarre und dezenten digitalen Drums ist trotz Songtiteln wie "Okay Now" meistens gar nichts okay. "I thougt we were okay now / But clearly we are not okay / I can see it in your eyes." Außer mit dem feministischen Blick auf den Geschlechterkampf bei "Woman On Man" hat dieser Umstand vor allem mit einem zu tun: Am schönsten ist das Leiden doch, wenn es auf einer Sehnsucht basiert, die unerfüllt bleibt. Und schön gelitten wird auf diesem Album eine bettschwere Stunde lang, in der gut und gerne der Zartcore regiert.

"Oppurtunity Lover"-Albumcover. - © Seayou
"Oppurtunity Lover"-Albumcover. - © Seayou

Ob Rosa Rendl nahe am Wasser gebaut ist, wissen wir nicht. Ihr zweites Standbein als Modedesignerin für Badebekleidung legt es jedenfalls nahe. Ebenso ihr Auftritt als Bachsirene im Musikvideo zu "Okay Now". Mit diesem tollen, entschieden auf das Lo-Fi-Format anstatt auf die zumindest theoretisch jederzeit mögliche große Geste bedachten Stück Pop setzt sich Rosa Rendl ohnehin die Krone auf. Man darf an die niederländisch-iranische Sängerin Sevdaliza als Vergleichsgröße denken - oder im Falle des Titelsongs auch an Sade Adu, allerdings ohne Synchrontanz und Schulterpolster. Dazwischen setzt es klassisches Klavierlied, ätherische Hallmeditationen und einen restgotischen Spaziergang durch Industrieruinen.

Manche Gewissheit wird im Rahmen dieser Bedroom-Dramolette übrigens gelassen ausgesprochen: "I call it like it is / This is not love." Um die Hörerschaft ist es da allerdings schon geschehen.