Es ist nicht selbstverständlich, dass herausragende Live-Auftritte auch dann noch bewegen, wenn sie, Jahre später, auf Tonträger verewigt in der warmen Stube genossen werden. Vor allem dann, wenn die Aufführung in einer ganz besonderen Umgebung stattfand, wie zum Beispiel im urigen Gastgarten der Jazzgalerie in Nickelsdorf, wo seit vier Jahrzehnten das Festival "Konfrontationen" veranstaltet wird. 2018 trat dort ein Quartett um den österreichischen Komponisten und Musiker Christof Kurzmann auf, das mit Texten des US-Saxofonisten John McPhee den sozialen und politischen Zustand verarbeitete.

"Disquiet" heißt das detailverliebte und variationsreiche 47-minütige Stück. Es changiert zwischen Abstraktion und Melodie, vereint Intensität und Zerbrechlichkeit und regt auch wegen Kurzmanns Sounds und Loops sowie seines hellen, weichen Sprechgesangs, wegen Martin Brandlmayrs subtil zarten Schlagwerks, Sofia Jernbergs eindringlicher Stimmakrobatik sowie Joe Williamsons vielseitigem Kontrabassspiel zum Immer-wieder-Anhören an.