Aufgewachsen in Texas in einer konservativen christlichen Familie, schafft die Singer-Songwriterin Katy Kirby auf ihrem Debütalbum das Kunststück, musikalische Simplizität und Eingängigkeit mit textlicher Komplexität und Ambition zu verknüpfen.

Jeder der neun Songs auf "Cool Dry Place" klingt zuerst irgendwie vertraut - der im Wechselspiel aus wohlklingenden Harmonien und beschwingten Rhythmen einnehmend daherkommende Mix aus Indiepop und Folkrock schmeichelt sich verführerisch in die Gehörgänge -, überrascht dann aber mit poetisch-sprachspielerischen Texten, die, reich an Metaphern und Bedeutungsebenen, Katy Kirby einen Blick unter die Oberfläche ermöglichen.

Wie unter einem Brennglas entdeckt die in Nashville lebende Musikerin verborgene Wahrheiten, fragile Glücksmomente und überraschende Einsichten, die auf den ersten Blick nicht sichtbar waren. Und das Besondere, das Ungewöhnliche, das Wundersame kommt zum Vorschein. Vom imaginären Pfefferminz-Freund über einen im Müllsackerl zappelnden Goldfisch bis zur Beschwörung von blauem Wacholder und Orangen als Blumenersatz: Katy Kirbys Sinn für das Subtile, Verhuschte und Unerwartete macht ihre Texte zu poetischen Kurzgeschichten mit großer Sogwirkung.

Die bezaubernden Melodien bahnen sich wohlklingend ihren Weg, der einnehmende Sound umarmt den Hörer charmant und die helle und unaufgeregte, aber sehr präsente Stimme der Sängerin (deren Phrasierung an Aimee Mann und deren Stimmlage an Lisa Hannigan oder Haley Henderickx erinnert) entfaltet ihre unverwechselbare Magie. Die innere Kohärenz, die dieses Album vermittelt, speist sich, ebenso überraschend wie originell, gerade aus der Verknüpfung des Einfachen mit dem Tiefgang, während das Stimmungsspektrum sämtliche Emotionen durchmisst.

Aus dem rundum gelungenen Album ragen die Songs "Juniper", "Peppermint", "Tap Twice" und "Portals" noch hervor. Ein bezaubernd-verspieltes Debüt in der Sparte magisch-realistisches Songwriting mit weiblicher Note.