Manche haben eine Kanzel, Justin Bieber hat einen Instagram-Account. Der kanadische Pop-Superstar postet auf der Bilderteilplattform in unregelmäßigen Abständen den aktuellen Stand seiner spirituellen Befindlichkeit. "Ich danke dir für dein Vergeben, Jesus", hat Bieber vor etwas mehr als einem Jahr auf der Bilderteilplattform gepostet. In einem für das Medium untypisch langen Text beschrieb er, wie Jesus ihn durch schwere Zeiten gebracht hat. Nur ein paar Monate später bekräftigte er über dasselbe Medium seine Ergebenheit: Er dankte Jesus für die Erkenntnis, dass er sich selbst genug sei. Dass er "nicht länger Scham mit mir herumtragen muss und stattdessen mit erhobenem Haupt gehen kann, in dem Wissen, dass ich geliebt werde, auserwählt bin und dass mir vergeben wurde!"

In einem anderen Instagram-Post schreibt Bieber: "Wie viele von euch schon wissen, bin ich ein Jesus-Guy." Gut, das hätte man auch von der riesigen Jesus-Tätowierung auf des Sängers Wade ableiten können. Seit vergangenem Wochenende ist Biebers Glaube auch in seiner Musik manifest. Passend zu Ostern erschien - nur wenige Tage nach seinem aktuellen Album "Justice" - ein überraschendes Gospel-Minialbum (beide bei Universal).

Kein Mitklatschen

Sechs Songs enthält "Freedom" und sie klingen nicht so, wie man sich Gospel-Musik landläufig vorstellt. Es ist nur einmal weit von der Ferne ein stimmgewaltiger Chor zu hören, es erscheint auch kein im Rhythmus wogender und klatschender Bieber im bunten Talar vor dem geistigen Auge. Von den Kirchenbänken reißen werden die Klänge, die nur manchmal ein bisschen Hall zugemischt bekommen, auch kaum jemanden, dafür sind sie zu wenig erhebend und zu bescheiden.

Die Lieder ähneln dem restlichen Pop-Oeuvre des Kanadiers, der Unterschied ist aber der bibelaffine Inhalt. Sonst werden in Bieber-Songs eigentlich keine Psalmen zitiert. Zumindest nicht als direkter Verweis mit Verszahl-Angabe, wie das sozusagen als "weiterführende Info" am Ende des letzten Lieds des Albums, "Afraid To Say" passiert. Da kann man nachschlagen, wie es im Original heißt, wenn im Pop-Rap-Outro gesagt wird: "Du sahst meine Essenz, noch bevor ich ich wurde. Bevor ich existierte, standen alle meine Tage in deinem Buch."

Bieber hat sich für die Platte Unterstützer - oder soll man sagen Jünger? - geholt. Den Rapper und Musikproduzenten BEAM zum Beispiel, der im Titelsong "Freedom" mit schrabbeligem Ghetto-Englisch und Vocoder-Stimme mit einstimmt in die Osterpredigt über den Wiederauferstandenen, der dem Teufel widerstand. Der Teufel ist ein Lügner, jetzt kapiert das endlich mal, ihr Motherfucker.

Dankbarkeit ist auch hier ein wichtiger Topos und sie deckt ein weites Spektrum ab: Einmal, im Song "We’re In This Together" bedankt sich Bieber bei Gott sogar für jeden, der sich jetzt gerade dieses Lied anhört. Er erbittet Segen für seine Zuhörer, ihre Seele, ihre Finanzen und ihre Familie. Das mag eine kuriose Prioritätenliste sein, aber es ist auch ein bisschen sehr einfach, sich über Biebers christliche Überzeugungen lustig zu machen.

Übrigens ist Bieber in der "Zoe Church" beheimatet, einer jugendorientierten evangelischen Gemeinde mit Sitz in Kalifornien. Ihr Gründer, Pastor Chad Veach, hat einmal gesagt: "Instagram hat unsere Kirche geschaffen. Ist das nicht faszinierend?" Nun, mit so berühmten Ministranten aber zumindest kein Wunder.