Im letzten Jahr hat Jimi Tenor zwei Alben in die Welt gestreut. "Aulos" verschmolz europäische und afrikanische Klänge zu einer funkigen Mixtur, die Kompilation "NY, Hel, Barca" versammelte vor allem Stücke der 1990er und frühen 2000er Jahre. Nun folgen mit dem Doppelalbum "Deep Sound Learning" unveröffentlichte Tracks aus den Jahren 1993 bis 2000.

Gleich zu Beginn wird deutlich, wie sehr sich der aus Lahti, Finnland, stammende Tenor der Clubszene verpflichtet fühlt. "Exotic House Of The Beloved" lädt zum eleganten Hüftenwiegen auf die Tanzfläche. Doch nicht im Gewohnten, vielleicht auch schon allzu Vertrauten liegt der Reiz des zu Entdeckenden: Tenor zeigt sich nämlich bei aller Liebäugelei mit dem Easy-Listening-Jazz oder allzu eingängigen Rhythmen als verspielter Soundtüftler. So endet etwa "Sambakontu" wie ein Soundtrack für einen James-Bond-Film, der nie gedreht wurde.

Albumcover. - © Bureau B
Albumcover. - © Bureau B

Häufig stechen Minimalismen hervor, ein paar insistierende Keyboardklänge, die nur von einer Drum Machine begleitet werden, zu der sich noch eine Saxofonmelodie verirrt. Wo Bläser dann deutlicher auftrumpfen, verlieren sie sich im psychedelischen Geflirre ("Heinola"), als wäre man plötzlich in die 1960er Jahre zurückgereist. Die äußerst zugängliche Jazzmelodie in "Salo" wird immer wieder von einem auf Orgel getrimmten Synthiesound gestört. Neben Ausdrücken der Wonne klingt "O-Sex" im Mittelteil eher so, als wolle der mittlerweile 56-jährige Tenor mit dem Astromech-Droiden R2-D2 aus "Star Wars" kopulieren.

"Deep Sound Learning" ist sicher kein Album, das man einfach so nebenbei hören sollte. Zu viele Feinheiten und Brüche verstecken sich unter den scheinbaren Oberflächen monotoner Rhythmusvariationen. "Oh baby it hurts, but It hurts so good" ("Baby It Hearts", sic!), flüstert Tenor, was sich auch auf die verschachtelten musikalischen Einfälle beziehen ließe.

Der Musiker präsentiert sich hier als unermüdlich neugieriger Klangexperimentator, was einen ganz eigenwilligen Sog entwickelt. Wie es zum Schluss in "My Woman" so treffend heißt: "Take my body and my mind", eine Aufforderung an die Hörerschaft, sich vom Finnen verführen zu lassen.