In "Die fitten Jahre sind vorbei" (Czernin Verlag) steht der berühmteste Sohn der Gemeinde Waldneukirchen seinen Fans Rede und Antwort. Auskunftsfreudig zeigte er sich nun auch im Online-Video-Interview mit der "Wiener Zeitung".

"Wiener Zeitung": Herr Austrofred, auf dem Cover Ihres neuen Buches kann man - dem Titel zum Trotz - Ihren Luxusbody bewundern. Was hat es mit "Die fitten Jahre sind vorbei" auf sich?

Austrofred: Also wie immer bei mir geht es darin um das Große und das Kleine auf einmal. Auf der einen Seite wollte ich die essenziellen Themen anreißen und auf der anderen den ganzen Social-Media-Schas, den ich so schreibe, größtmöglich vermarkten. Ich gehe ja langsam auf mein 20. offizielles Karrierejahr zu, und da hat man natürlich schon sehr vieles gemacht. Weitsichtig, wie ich bin, ist mir mein Corona-Projekt jedenfalls noch vor der Pandemie eingefallen. Der Fan als Stichwortgeber: Es hat ja auch etwas Sportliches, wenn man auf Zurufe reagiert.

Sie waren 2002 mit Ihrem Video "Fit mit Austrofred" ein Pionier des Workouts für zu Hause, das gerade in der Corona-Krise floriert. Wäre da eine Fortsetzung nicht naheliegend gewesen? Oder anders gefragt: Warum verzichtet der Champion auf so eine Business Opportunity, jetzt wo alle Muckibuden geschlossen sind?

Also erstens ist Wiederaufgreifen Wiederholung, und ich bin ein Künstler und wiederhole! mich! nicht! Andererseits weiß ich natürlich, dass Fitness ein Geschäftsmodell ist, und habe in der Corona-Zeit tatsächlich für eine Fitness-App in Zusammenarbeit mit dem Hersteller fünf Stunden Tonmaterial eingesprochen, darunter sehr viel "Hippauf!", "Hoppauf!" und "Geht scho weida!". Die schneiden das dann zusammen wie bei der Chris Lohner am Bahnhof. Vom Philosophischen her muss ich sagen, es ist alles im Leben ein Yin und Yang. Es heißt ja nicht, dass man keine Fitness mehr treiben soll, weil der Körper nachlässt, sondern eher im Gegenteil. Wenn sich ein junger Mensch fit hält, ist das ein Luxus.

Der Austrofred ist bekanntlich ein Bühnenviech und vor allem live in seinem Element. Wie schwer fällt Ihnen die Zeit ohne Gigs, Adrenalinkick und Groupies?

So wie ein jeder habe auch ich meine Ups und Downs. Die erste Woche war schrecklich, weil mir lukrative Gigs ausgefallen sind. Zweimal ein ausverkaufter Rabenhof, das ist nicht nichts finanziell. Dann habe ich es die zwei Monate darauf sehr genossen, dass einmal Zeit ist. Ich spiele sonst ja kontinuierlich, fast täglich. Im Sommer und Herbst gab es Termine, die dann besonders gut waren. Aktuell sind wir bei den Mühen der Ebene.

Sie erscheinen zum Interview, wie man es von einem Austrofred gewohnt ist, also mit Stil. Oder flunkern Sie wie diverse Büro-Angestellte im Homeoffice nach dem Motto "Tarnen und Täuschen"?

Der Champion, wie man ihn kennt: mit Stil. - © Ingo Pertramer
Der Champion, wie man ihn kennt: mit Stil. - © Ingo Pertramer

(Zeigt seine Hose) Also das gilt schon! Die Haare habe ich mir auch extra gemacht. Ich sage immer, du darfst es nicht einreißen lassen. Meine Angst ist, du gehst als Genie in die Krise und kommst als Durchschnittskünstler heraus.

Nicht nur die Konzertbühne ist dem Austrofred als natürliches Habitat abhandengekommen, sondern auch das Wirtshaus. Sie sind ja als Schnitzeltiger bekannt. Erlauben Sie mir daher die kulinarische Gretchenfrage: Wie hält es ein Austrofred mit dem Kochlöffel?

Also ich bewege mich da ehrlich gesagt zwischen Lieferdienst und Brettljause. Schnitzel selber machen ist mir einfach zu viel Wirtschaft. Da muss ich vorher schon schauen, dass nachher die Putzfrau kommt. Hin und wieder mache ich aber Palatschinken. Davon esse ich dreimal - süß, pikant und Frittatensuppe. Das kann ich mit dem Arbeitsaufwand vereinbaren.

In Ihrem Buch zeigen Sie sich von Ihrer persönlichen Seite. Wie volksnah darf man als Superstar Ihres Niveaus sein? Stichwort Perlen und Säue. Ist Augenhöhe nicht auch eine Gefahr?

Grundsätzlich ja. Ich denke aber, ich habe mir als Austrofred über die Jahre so einen Mythos aufgebaut, dass man auch einmal ein bisserl aufmachen muss. Für einen angehenden Künstler würde ich es aber nicht empfehlen. Also dass der Kurti von irgendwo, der mit seiner Band gerade die erste Platte herausbringt, eine "Frag den Kurti"-Kolumne macht, das wird eher nicht funktionieren.

Sie haben erst einmal mit einem Topkünstler Ihres Ranges kollaboriert, nämlich mit Wolfgang Amadeus Mozart für den als Buch veröffentlichten Briefwechsel "Du kannst dir deine Zauberflöte in den Arsch schieben". Sind hier Folgeprojekte angedacht? Im kommenden Jahr feiert die Welt 225 Jahre Franz Schubert, noch heuer wird der 30. Todestag von Freddie Mercury beklagt.

Interessant, aber ich weiß nicht, ob der Schubert so viel hergibt für mich, obwohl seine 8. Sinfonie zweifelsohne eine tadellose Scheibn ist! Was den Freddie Mercury betrifft, hängt ein Projekt in München coronabedingt in der Schwebe. Da fällt mir übrigens ein, dass mit Jim Steinman (Songwriter für u.a. Meat Loaf, Anm.) erst diese Woche ein Mann nach meinem Geschmack gestorben ist. Ich habe das noch niemandem erzählt, aber vor meiner Genese zum Austrofred habe ich mir überlegt, eine österreichische Version von Meat Loaf zu machen, was auch gut gepasst hätte, so kraftvoll und bombastisch diese Musik vom Ding her ist.

Wir hätten Sie dann als Leberkas Fredi kennengelernt?

Austrofred: Die fitten Jahre sind vorbei (Czernin, Wien 2021, 200 Seiten, 18 Euro). - © Czernin Verlag
Austrofred: Die fitten Jahre sind vorbei (Czernin, Wien 2021, 200 Seiten, 18 Euro). - © Czernin Verlag

Oder als Fleischlaberl Fredi. Allerdings ohne Fredi.

In Ihrem Buch distanzieren Sie sich von illegalen Substanzen. Was Sie sich aber schon in die Venen hauen werden, ist, wie ich annehme, der Impfstoff?

Ja, natürlich, wenn sie mich lassen.

Angefragt als Impf-Testimonial wie ein Sepp Forcher wurden Sie aber nicht. Ist man da als Spitzen-Entertainer nicht auch gekränkt?

Ich sage so, vor zwei Jahren war ich bei einer Blutspendenaktion für das Rote Kreuz dabei. Die wollten wahrscheinlich nicht schon wieder die gleichen Fotos.