Als 2013 die Stimme von Hannah Reid erstmals erklang (zuerst auf der London-Grammar-EP "Metal & Dust", dann auf dem Debütalbum "If You Wait"), war man von ihrer Kraft, Klarheit und Ausstrahlung gebannt. Und bezaubert von dem Sentiment, das die britische Sängerin, begleitet von ihren beiden männlichen Mitstreitern (Sounds & Drums), entfachen konnte. Daran hat sich grundsätzlich nichts geändert. Und doch ist, zwei Alben später (nach "Truth Is a Beautiful Thing" 2017), die Magie etwas verflogen.

Das hat vor allem damit zu tun, dass Reid auf "Californian Soil" nicht nur stimmlich im Vordergrund steht, sondern auch beim Songwriting das Kommando übernommen hat. Vermanscht mit ihren wenig originell und konturlos formulierten Anliegen (Umwelt, Feminismus), versickert das bisweilen in sirupdickem Betroffenheitskitsch. Nur wenn ein wenig Bewegung in die Sache kommt und es unter Reids Gesang rhythmisch zu pulsieren beginnt, wie auf "How Does It Feel", stimmt alles wieder. Leider viel zu selten.